Vom Studenten zum Unternehmer: Erfolg mit digitalen Karteikarten

Alumnus Sandro Birkenhof bewältigte den Stoff des Studiums mit digitalen Karteikarten. Er wollte nur Jura lernen – und wurde zum Unternehmer.

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In seinen ersten Trimestern an der Bucerius Law School saß Sandro Birkenhof über seinen schriftlichen Zusammenfassungen und tat sich schwer, damit vernünftig für die anstehenden Klausuren zu lernen. Seiten über Seiten, vollgeschrieben, umständlich. Und selbstverständlich alles auf Papier. In der Examensvorbereitung begann er, seine Lernmethode umzustellen und digitale Karteikarten zu entwerfen – in der Hoffnung, so besser lernen zu können. Dass er damit den Grundstein für eine echte Erfolgsgeschichte legte, ahnte Sandro damals nicht.

Die Idee

„Ich hatte keine Erfahrung mit Karteikarten, da ich bis dahin selbst keine nutzte. Ich merkte aber, dass der Lernstoff aus dem Examensvorbereitungsprogramm für mich schwer zu schaffen war“, erinnert sich Sandro. „Also setzte ich mich an meinen Computer und versuchte, den Stoff systematisch aufzubereiten und möglichst übersichtlich zu ordnen.“

Sandro verfeinerte seine Karteikarten so lange, bis er effizient mit ihnen lernen konnte. Er bereitete sie so auf, dass er mit ihnen zielgerichtet die wichtigsten Inhalte durchgehen konnte. „Das hat für mich gut funktioniert. Und ich merkte, dass ich besser lernte, wenn ich ein Thema erst richtig durchdachte, bevor ich die Antwort sah“, erzählt Sandro.

Bei der Wiederholung half ihm die sogenannte Spaced Repetition: Das Wissen wird kurz vor dem Vergessen wiederholt, um es zeiteffizient und langfristig zu behalten. Wann der Zeitpunkt ist, an dem die Information vergessen wird, berechnet ein Algorithmus. Viele digitale Lernplattformen arbeiten heute mit diesem Konzept.

 

Die Umsetzung

Seine Kartensätze teilte er im Anschluss an sein 1. Staatsexamen zunächst im engeren Freundeskreis. Auch den Teilnehmer:innen seiner Kleingruppen im Öffentlichen Recht stellte er die Karten zur Verfügung. Die waren begeistert und wollten sie gern selbst nutzen. Sandro: „Ich fand es toll, dass meine Karteikarten anderen beim Lernen halfen.“ Die Zahl der Mitlernenden wuchs nach und nach immer weiter. „Das Ganze zog immer größere Kreise. Mehr und mehr Studierende der Hochschule nutzten die Karten“, erinnerte sich Sandro.

Der Erfolg

Schließlich begann Sandro sein Referendariat. Auch dort begleiteten ihn seine Karten weiter. Er erhielt regelmäßig Hinweise aus der Studierendenschaft, wenn Karten aufgrund von Gesetzesänderungen oder neuer Rechtsprechung aktualisiert werden mussten. Dann passte er die Karteikarten an und hielt sie so aktuell. Für das Referendariat erstellte er neue Karten, die er für seine Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen nutzte.

Und auch gut fünf Jahre, nachdem er die ersten Karten erstellt hatte, war das Interesse ungebrochen. Sie hatten sich als erfolgreiches Lernmedium an der Bucerius Law School etabliert. „Offensichtlich war die Aufbereitung für viele Studierende hilfreich, so wie sie mir auch geholfen hat“, sagt Sandro. „Das hat mich natürlich sehr gefreut! Immer wieder fragten mich Studierende nach den Karten.“ Nach dem Abschluss des Referendariats stellte sich für Sandro dann die Frage, wie es mit seiner Idee weitergehen würde.

 

Die Hochschule

Denn für ihn stand fest: Entweder veralten die Karten langsam und verschwinden irgendwann in der (digitalen) Schublade, oder sie werden strukturiert allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Den Grundstein für Letzteres legte die Unterstützung, die Sandro von der Hochschule erfahren hat. So zeigte etwa Kanzler und Geschäftsführer Meinhard Weizmann eine große Offenheit und Förderungsbereitschaft für das studentische Projekt.

„Die Hochschulleitung ist wirklich an den Studierenden interessiert. Sie hört zu und ist neuen Ideen aufgeschlossen“, erzählt Sandro. „Ich wollte meiner Hochschule etwas zurückgeben von dem, was ich hier bekommen habe“, sagte Sandro. „Das Umfeld hier war so motivierend und unterstützend und das Projekt wurde immer größer – ich bin sicher, das hätte an keiner anderen Hochschule funktioniert.“

Prof. Dr. Matthias Jacobs, Arbeitsrechtsprofessor an der Bucerius Law School, war von der Idee ebenfalls begeistert. Er entwickelte mit Sandro gemeinsam Karteikarten für den Schwerpunkt Arbeitsrecht. 

Der Unternehmer

Um die Karten auch über die Bucerius Law School hinaus bekannt zu machen, schloss Sandro eine Kooperationsvereinbarung mit Repetico, einem Anbieter für digitale Karteikarten. Die Plattform würde die Karten in ihr Sortiment aufnehmen und in ihrem Store anbieten. Den Studierenden der Bucerius Law School sollten die Karten kostenlos zur Verfügung stehen.

Am 14. Oktober 2024 war es dann so weit: Die Karten für das 1. Staatsexamen wurden veröffentlicht. Sandro formulierte an dem Tag eine seiner wichtigsten E-Mails, die er an etwa 600 Studierende der Bucerius Law School schickte: Jeder und jede von ihnen könne sich nun auf einer speziell bei Repetico eingerichteten Webseite einen Gutschein generieren und diesen für ein Gesamtpaket mit allen Kartensätzen einlösen. „Es war schon ein besonderer Moment, als ich auf ‚Senden‘ drückte. Denn damit war klar: Das hier ist keine studentische Küchentisch-Idee mehr, sondern sie wird gerade zu einem unternehmerischen Projekt.“ 

Und die Resonanz war enorm: Über 300 Studierende lösen innerhalb der ersten Woche ihren Gutscheincode ein. Viele melden sich in den Wochen danach bei Sandro und bedanken sich für das Angebot. Er beantwortet jede E-Mail persönlich.

Im Repetico Store konnten sich fortan Studierende aller deutschen Universitäten die digitalen Karteikarten kaufen. Aus dem Studierenden Sandro wurde der Unternehmer, der mit seiner Idee auf den juristischen Ausbildungsmarkt trat – und sein Produkt nun mit einem Preis beziffern musste. Sandro: „Ich möchte bezahlbare Premium-Inhalte anbieten. Die Studierenden sollen es sich leisten können.“ Mittlerweile bietet er neben dem Gesamtpaket für das 1. Staatsexamen auch Karteikarten für das 2. Staatsexamen an.

 

Die Zukunft

Im August 2025 gründete Sandro die Examen mit Sandro GmbH. Und er professionalisierte das Projekt weiter: eine neue Website, Beiträge auf LinkedIn, Einarbeitung in Steuer- und Buchhaltungsthemen und Programme zur Unterstützung für Social Media.

Für Sandro ist die GmbH-Gründung erst der Anfang. Er will das digitale Lernen weiter voranbringen, ohne die Nähe zur Zielgruppe zu verlieren. „Es geht darum, die Anonymität klassischer Lernmittel aufzubrechen. Ich habe das Projekt aus der Perspektive eines Studierenden und Referendars entwickelt – diesen Blickwinkel behalte ich bei, auch wenn das Unternehmen wächst.“

Während erste Kooperationen mit anderen Unis und Kanzleien geschlossen sind, bleibt eines für ihn nicht verhandelbar: der direkte Draht zu den Studierenden und Referendar:innen.

Text

Désirée Balthasar

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