Weiterbildung trotz(t) Corona

Die HR Manager der Kanzleien stehen vor neuen Herausforderungen – und nutzen neue Chancen

Corona hat vieles verändert. Fast jede zwischenmenschliche Kommunikation wurde bis auf weiteres virtualisiert; viele Prozesse müssen unter erschwerten Bedingungen weitergeführt werden. HR-Abteilungen stehen vor der Aufgabe, in Zeiten des „remote leadership“ effektiv mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben, um die Zusammenarbeit langfristig engagiert und leistungsfähig aufrechtzuerhalten. Und so befasste sich der HR-Roundtable des Bucerius Center on the Legal Profession in der letzten Woche mit den Fragen, wie effektives Recruiting und die Gewinnung der besten Talente in diesen Ausnahmezeiten gelingen kann. Die Dozentinnen, Prof. Dr. Madeleine Bernhardt und Constanze Eich, zeigten in ihren Impulsvorträgen Möglichkeiten und Wege für die teilnehmenden HR Manager auf. Dazu Prof. Bernhardt: „Es wird sich mittel- und langfristig in mehrfacher Hinsicht auszahlen, gerade jetzt in die Weiterentwicklung zu investieren. Zum einen ist es weitsichtig, Kompetenzen gerade in herausfordernden Zeiten weiter auf- und auszubauen und zentrale Fähigkeiten für professionelle Rechtsberatung und Zusammenarbeit zu stärken. Zweitens ist es ein Signal ernsthaften Interesses an einer langfristigen, für beide Seiten wertvollen, Gestaltung der Arbeitsbeziehung. Und schließlich ist es ein Zeichen maximaler Wertschätzung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn gerade in unsicheren Zeiten zentrale Werte der Kanzlei weiterhin gelten.“

Ein Gewinner in der Krise stand per se im Mittelpunkt des HR-Roundtables: Virtuelle Trainings stiegen in den letzten Monaten wie Phönix aus der Asche aus dem drohenden Stillstand der Weiterbildungsprogramme der Kanzleien und helfen erfolgreich dabei, weiterhin mit Kolleginnen und Kollegen, in Teams und sozialen Gruppen zu interagieren. Darüber hinaus erweisen sie sich immer mehr als adäquates Lernformat; so hat die Bucerius Executive Education aufgrund - und vielleicht sogar dank - der Krise zusammen mit etlichen Kooperationspartnern einen großen Teil der gemeinsamen Weiterbildungsprogramme virtualisiert. Etwaige Vorbehalte und Fragestellungen bezüglich der erfolgreichen konzeptionellen Anpassung ihrer Präsenzformate schlugen aufseiten der Dozentinnen und Dozenten nach kurzer, intensiver Beschäftigung mit dem Thema in vielen Fällen in Begeisterung ob des Potentials virtueller Trainings um.

Und auch die verantwortlichen HR Manager in den Kanzleien bewiesen ausreichend Mut und Neugierde, um den virtuellen Weg zu gehen und damit die internen Weiterbildungsprogramme in Krisenzeiten weiterzuentwickeln. Birgit Gehrmann, Senior HR Manager Germany bei Latham & Watkins war eine der Ersten, die innerhalb des #MyAdvancement-Programms auf die virtuellen Trainings des Kooperationspartners Bucerius Executive Education setzte: „Unser Aus- und Weiterbildungsprogramm setzt sich aus unterschiedlichen Modulen für unterschiedliche Jahrgänge der Associates zusammen. All dies auf eine ungewisse Zukunft irgendwann später im Jahr zu verschieben, war überhaupt keine Option, ausfallen lassen aber ebenfalls nicht. Zusammen mit Bucerius haben wir innerhalb kürzester Zeit auf virtuelle Trainings umgestellt, seit Mitte April führen wir so alle unsere Trainingsmodule durch und es funktioniert ganz wunderbar. “ So wie Latham sieht auch Julia Baeck, Leiterin Personal & Recruiting bei Görg, die virtuellen Trainings nicht als bloßen Lückenbüßer in schlechten Zeiten: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir auch über Corona hinaus einige Themen als virtuelle Trainings anbieten, es passt genau in die Vorstellung von moderner Weiterbildung, die wir unseren Mitarbeitern anbieten möchten.“ Die Krise, so scheint es, hat dem virtuellen Trainingsformat zum Durchbruch verholfen und die Chancen stehen derzeit gut, dass es auch in Zukunft einen festen Platz in den Kanzleiprogrammen einnehmen wird.

 

Iris Wahl

Autor*in

Iris Wahl

Hamburg