Unterstützung beim Selbststudium

Auf dieser Seite möchten wir als Stiftungshochschule Jurastudierenden aus ganz Deutschland Unterstützung bei ihrem Selbststudium anbieten. Im Folgenden findet Ihr sowohl Aufzeichnungen von unseren Vorlesungen als auch zusätzliches Lernmaterial z.B. in Form eines kostenlosen Zugangs zu unserem hochschuleigenen Digitalen Fallbuch. Weiter unten haben wir Euch außerdem mit Unterstützung des Bucerius Alumni e.V. einige nützliche Tipps zur Selbstorganisation und -strukturierung im „Homeoffice“ zusammengestellt. Fragen oder Anregungen? Wendet Euch gerne direkt an an uns.

Viel Erfolg beim Lernen und – mit Abstand am wichtigsten – bleibt gesund! 

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Aufzeichnungen von Vorlesungen

Hier findet Ihr Videoaufzeichnungen (in Vorbereitung) von Vorlesungen aus unserem Grundstudium sowie Examensvorbereitungsprogramm:

Die Liste wird ständig aktualisiert, sobald die entsprechenden Aufzeichnungen zum Abruf bereit stehen.
Viel Spaß im „Hörsaal“!

Digitales Fallbuch

In unserem Digitalen Fallbuch haben wir ausgewählte Fälle für Euer Selbststudium kostenlos für Euch zur Verfügung gestellt. Bitte nutzt für den Log-In die folgenden Daten:

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Viel Erfolg und Spaß beim Lösen der Fälle!

Unser YouTube-Kanal zur Digitalen Lehre

Weitere spannende und kostenlos zugängliche Lehrvideos findet Ihr außerdem auf unserem Youtube-Kanal „Bucerius Law School – Lecture digital“.
Für das Selbststudium empfehlen wir insbesondere folgende Videoreihen:

Tipps zur Selbstorganisation und -strukturierung

Text: Antonia von Treuenfeld

Herausforderung Selbststudium im „Homeoffice“

Die aktuellen Umstände stellen für uns alle eine Ausnahmesituation dar. Neben den gesundheitlichen oder finanziellen Sorgen, die jeden in Bezug auf sich und Angehörige umtreiben, und einer allgemeinen Unsicherheit über die kommenden Wochen und Monate gilt es, das Studium unter den veränderten Umständen von zu Hause aus weiterzuführen. Dies ist eine enorme Herausforderung, egal, ob Ihr noch am Anfang Eurer juristischen Ausbildung steht oder aber Euch schon in den letzten Zügen der Examensvorbereitung befindet.

Die folgenden Ratschläge beruhen vor allem auf Rückfragen bei Personen, die ihr Jurastudium, ihre Promotion oder ihren Arbeitsalltag schon vor Corona zu großen Teilen im Homeoffice bewältigt haben. Die Empfehlungen waren dabei sehr unterschiedlich und teilweise sogar gänzlich diametral. Wir haben versucht, einige zentrale Themen herauszukristallisieren - das “perfekte Homeoffice” gibt es aber sicherlich nicht. Vielmehr tickt und lernt jeder und jede anders, so dass das optimale individuelle Vorgehen sehr unterschiedlich sein kann und nicht alle Ideen für alle Student:innen passen. Die Ausführungen sind daher keineswegs als strikte Anleitung, sondern vor allem als Denkanstöße gemeint.

Der Einstieg

Der Grundkonflikt im Homeoffice besteht darin, dass es die Möglichkeit gibt, seinen eigenen Neigungen maximalen Raum zu geben, ohne dabei einer sozialen Kontrolle zu unterliegen. Insofern kann es für den Anfang helfen, sich einer kurzen Selbstanalyse zu unterziehen: 

  • Wo sind meine Schwächen und meine Stärken bzw. wo könnten sie im Homeoffice liegen? 
  • Neige ich eher zu mangelnder Disziplin oder entwickle ich ohne soziale Kontrolle einen geradezu verbissenen Ehrgeiz, der mich vielleicht länger an den Schreibtisch fesselt, als es in einer Bibliothek der Fall wäre? 
  • Außerdem: Bin ich eher ein introvertierter Typ, der Gefahr läuft, sich gänzlich zu Hause abzukapseln, oder schätze ich einen konstanten Austausch mit meinem Umfeld und lenke mich allzu leicht mit verschiedenen Kommunikationskanälen ab?

Daneben hilft es vielleicht gerade den fortgeschrittenen Student:innen, sich an ihrem Lernplan außerhalb von Corona-Zeiten zu orientieren. Trotz entstehender Unsicherheiten aufgrund veränderter Umstände sollte man sich bewusst machen, dass niemand seinen Lernalltag gänzlich neu erschaffen und etwa früher, mehr oder anders lernen muss als sonst. Vielmehr ist es hilfreich, so viel wie möglich der bestehenden Abläufe, Zeiten und Arbeitsweisen zu übernehmen und lediglich punktuell an die Situation im Homeoffice anzupassen.

Tipps

Zunächst gilt es, sich einen Überblick über die weiterhin bestehenden externen Parameter zu verschaffen:

  • Wird durch die Universität eine organisatorische Struktur vorgegeben? 
  • Bezieht sich dies auf den gesamten Lehrplan, also Vorlesungen, Arbeitsgruppen und sonstige Formate, oder nur auf einzelne Elemente?
  • Ändern sich Termine, etwa Prüfungstermine oder Abgabefristen? 
  • Falls von Seiten der Universität digitale Lerninhalte angeboten werden: Finden Vorlesungen und Veranstaltungen zu geänderten Zeiten statt? Welche sind live und welche können später abgerufen werden bzw. besteht diese Möglichkeit überhaupt und wenn ja, wie lange?

Versucht, Euren sonstigen Lern-, Essens- und Schlafrhythmus zu übernehmen und hier für eine gewisse Routine zu sorgen. Wer auch ohne Corona morgens gerne eine halbe Stunde snoozt und langsam in den Tag startet, muss sich nicht plötzlich verpflichtet fühlen, sofort aus dem Bett zu springen, so lange er sich grob an die Zeiten hält, zu denen er sonst auch aufsteht. Ebenso sollte man sich beim Duschen, Anziehen und Frühstücken an normalen Arbeitstagen orientieren. Auch, wenn die Versuchung groß ist - kaum einer fühlt sich in Jogginghose produktiv und kommt in einen Arbeitsmodus.

Für einen Arbeitsmodus hilft es ggf. außerdem, vor oder nach dem Frühstück das Haus zu verlassen - egal, ob für eine Joggingrunde oder einen kurzen Spaziergang um den Block mit Podcast oder Musik. Neben der Unterstützung beim Wachwerden durch die frische Luft stellt sich dadurch auch das Gefühl ein, wie beim sonstigen Weg zur Arbeit die Freizeit-Atmosphäre jetzt zu verlassen - vor allem, wenn man danach in dem Zimmer arbeitet, indem man zuvor geschlafen hat.

Generell solltet Ihr unabhängig von den konkreten Uhrzeiten klar zwischen Arbeit und Freizeit trennen und Euch hier Grenzen setzen, die mangels physischer Distanz zwischen den Aufenthaltsorten sonst allzu leicht verwischen. Psychisch wird es zur erheblichen Belastung, wenn Lernen und Ruhe konstant vermischt werden. Zeitlich begrenzte Pausen sollten daher tatsächlich zum Abschalten und der Abend im Rahmen des aktuell Möglichen für Freizeit genutzt werden. Situationen, in denen man um 22 Uhr vor dem Fernseher noch “kurz etwas in den Unterlagen nachschaut”, weil einem eine Frage eingefallen ist, sollten vermieden werden, um den nötigen Abstand zum Studium einzuhalten.

Planung ist essentiell, denn sie hilft, das Gefühl von Kontrollverlust und Hilflosigkeit zu vermeiden. Eine zeitliche oder inhaltliche Orientierung bedeutet eine aktive Gestaltung des Tages, mit der es sich weniger danach anfühlt, „im luftleeren Raum zu hängen“.

Einzelheiten wie die Planungsdichte sind typabhängig. Oftmals bietet sich eine Strukturierung in Wochen an, bei der die ggf. von der Uni vorgegebenen Veranstaltungen (s.o.u.: „Überblick verschaffen“) den Ausgangspunkt bilden können. Daneben lohnt es sich, einen groben zeitlichen Rahmen für die einzelnen Tage zu setzen (etwa Lernzeit von 9-17 Uhr), auch, um eine strenge Trennung zur Freizeit zu erleichtern (s.o.u. „Den Tag strukturieren“). Eine minutiöse Planung, die den Tag in genaue Lern- und Pauseneinheiten einteilt, wird zwar oft empfohlen - ebenso oft wird aber zugegeben, dass solche Pläne kaum eingehalten werden, auch, da es kontraintuitiv ist, trotz produktiver Lernphase für eine vorgegebene Pause zu unterbrechen. 

Um derartigen zusätzlichen Druck und Frustration zu vermeiden, lohnt es sich vielleicht eher, sich am Anfang der Woche eine grobe inhaltliche Struktur zu geben, in der etwa das Selbststudium der verschiedenen Rechtsgebiete je nach Präferenz in zeitliche Nähe oder Entfernung zur jeweiligen Vorlesung gelegt werden.
 

Viele von Euch nutzen aktuell die Gelegenheit, um nach Hause zur Familie zu fahren. Neben den offensichtlichen Vorteilen (vertrautes Umfeld, sozialer Kontakt, gefüllter Kühlschrank) bietet diese Situation auch Konflikt- und Stresspotenzial. Oftmals hat man bereits eine Weile alleine gewohnt und sich an die Selbstständigkeit gewöhnt, die man plötzlich für den Familienfrieden wieder aufgeben muss, und häufig sieht man sich ansonsten nur wenige Tage im Jahr und muss nun gemeinsam den Alltag bewältigen, wobei mangels Homeoffice-Möglichkeit eventuell nicht alle Familienmitglieder tagsüber beschäftigt sind. Daneben erwarten Eure Eltern vielleicht, dass Ihr Euch zu ihrer Entlastung um kleinere Geschwister kümmert.

In der Situation ist es - ebenso wie wenn Ihr in Eurer Wohnung geblieben seid, die Ihr mit Eurem Partner bewohnt - völlig klar, dass es zu Auseinandersetzungen in der Familie oder mit dem Partner kommt. Auch hier können festgelegte Uhrzeiten helfen. Kommuniziert klar, wann Ihr für Familienverpflichtungen zur Verfügung steht (etwa zu einer bestimmten Zeit jeden Tag) und auch, dass Ihr darüber hinaus in Eurem Lernfluss nicht gestört werden möchtet. 

Gerade wenn Ihr versucht, Euch zu Hause bei Eurer Familie einen Lernalltag aufzubauen, kann es wichtig sein, den eigenen Tagesrhythmus und den der Familie kritisch zu vergleichen und zu schauen, inwieweit diese kompatibel sind. Einige von Euch haben vielleicht schon früher punktuell bei den Eltern gelernt und sich dabei an vorgegebene Strukturen gehalten, ohne zu hinterfragen, ob diese mit dem eigenen Rhythmus zusammenpassen. Ein gutes Beispiel sind oftmals besonders frühe oder späte Essenszeiten, zu denen man selbst vielleicht eigentlich gut lernt. Versucht auch hier, die zeitlichen Eckpunkte des Tages zu kommunizieren, die Euch besonders wichtig sind, und überlegt, wo Ihr Euch vielleicht anpassen und Kompromisse machen möchtet. Es geht ja meist nicht nur darum, den reibungslosen Tagesablauf in der Familie sicherzustellen, sondern auch darum, dass man gerade jetzt gerne gemeinsame Zeit verbringt.

Seid ihr in Eurer eigenen Wohnung geblieben oder vielleicht sogar allein in Eurer WG, besteht hingegen die Gefahr, dass Euch die Decke auf den Kopf fällt. Versucht dann erst recht, Abwechslung zu schaffen, die Wohnung regelmäßig zu verlassen und soziale Kontakte übers Telefon zu halten.

Insbesondere für Student:innen, die die bewusste Abgrenzung immer gesucht haben, ist es herausfordernd, dass Freizeit und Arbeit nun am selben Ort stattfinden müssen.

  • Versucht, Schlafen und Lernen zumindest dadurch räumlich voneinander zu trennen, dass Ihr Letzteres etwa in die Küche verlegt. Ansonsten solltet Ihr zumindest in Eurem Zimmer eine Arbeitsatmosphäre schaffen (etwa: aufgeräumt halten, Bett machen, nicht parallel dort die Wäsche trocknen). Die penible Einrichtung des Schreibtischs im Sinne eines “Ich muss mir erst den perfekten Schreibtisch herrichten, ansonsten kann ich nicht anfangen” mag für Einzelne gelten, ist oft aber eher Ablenkung und Entschuldigung, noch das Zimmer umzugestalten. Ein aufgeräumter Tisch genügt meist zum produktiven Arbeiten.
  • Schafft Euch zu Hause ebenso Abwechslung wie es manche in der Bibliothek dadurch tun, sich regelmäßig einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Das schützt nicht nur vor aufkommender Langeweile, sondern auch davor, sich an seinem Platz zu wohl zu fühlen. Ein regelmäßiger Wechsel an einen neu “gewidmeten” Arbeitsplatz kann mit einem Motivationsschub einhergehen - egal, ob dies bedeutet, täglich ein paar Stunden auf dem Balkon, dem Dach oder der sonnigen Fensterbank zu verbringen, einen Tag im Bett zu lernen oder das Fenster für eine Woche im Rücken zu haben anstatt wie sonst rauszuschauen.

Viele Universitäten versuchen, im Rahmen des technisch Möglichen den Lehrplan aufrechtzuerhalten und bieten etwa Remote-Vorlesungen an. Wer gut durch Vorlesungen lernt und gehörte Inhalte leicht aufnimmt, kann an diesen auch jetzt teilnehmen:

  • Haltet Euch an den vorgegebenen Stundenplan, um nicht in den ewigen Teufelskreis des “gucke ich später” zu rutschen.
  • Vermeidet - wie in jeder anderen Vorlesung - Ablenkungen, indem Ihr anderweitige Taps und Apps vorher schließt.
  • Arbeitet auch hier so gut wie möglich mit, also schreibt auch bei einer übertragenen Vorlesung mit bzw. erstellt Karteikarten.
  • Überprüft in technischer Hinsicht vorher, ob es die Möglichkeit gibt, Fragen zu stellen.

Werden die Vorlesungen aufgezeichnet, solltet ihr die Aufnahmen trotz des Reizes einer Zeitersparnis in normaler Geschwindigkeit schauen. Bereits die 1,5-fache Geschwindigkeit hindert den Lernprozess eher und gerade mehrstufige, komplexe Sachverhalte und Lösungen lassen sich so kaum gedanklich nachvollziehen.

Keine Frage - die größte Herausforderung im Homeoffice ist das Selbststudium, also etwa die Lektüre des Skripts oder das Lösen eines Falls, wenn der Tag nicht „automatisch“ durch eine Vorlesung/Kleingruppe eingeläutet wird. 

Wie auch in der Bibliothek ist das Wichtigste, ein frühes Erfolgserlebnis zu schaffen. Dafür kann es schon genügen, zur vorgenommenen Zeit anzufangen und eine Stunde produktiv gewesen zu sein. Wer mit dem Beginn seines Lerntags zufrieden ist, bleibt es oftmals auch bei kleineren Rückschlägen oder unproduktiven Phasen im Laufe des Tages. Das zu wissen, macht in der Regel schon den entscheidenden Unterschied. Bedeutet: Wenn Ihr das nächste mal 15 Minuten nach Beginn des Tages an einer komplizierten Stelle im Skript nach dem Handy greift, um „nur mal kurz“ Instagram zu checken, das bestellte Paket zu tracken oder diese eine wichtige Mail zu beantworten, macht Euch bewusst, dass es kaum je bei „nur mal kurz“ bleiben wird und welche Weichenstellung Ihr damit für den Tag setzt.

Wie Euer frühes Erfolgserlebnis inhaltlich aussieht, ist wieder typabhängig. Oftmals ist die Konzentration morgens am größten, so dass es sich etwa anbietet, am Vormittag im Skript zu lesen oder besonders komplizierte Themen nachzuarbeiten, wohingegen man am Nachmittag etwa zusätzliche Motivation aus der Arbeit in der Zoom-Minigruppe schöpfen kann (s.u.: „Gemeinsam lernen“). Einige beginnen ihren Arbeitstag mit zehn Minuten, in denen sie Mails checken und die wichtigsten beantworten, was allerdings die Gefahr birgt, sich auch den Nachrichten zu widmen, die eigentlich schon vor fünf Tagen hätten beantwortet werden müssen. Um schnell in einen Arbeitsmodus zu kommen, bietet es sich eher an, direkt mit juristischen Inhalten zu starten. Die einen haben beim Lesen des Skripts am Vortag aufgehört, als es gerade besonders gut lief, um am nächsten Morgen genau hier leicht weitermachen zu können. Die anderen empfinden es als befriedigender, am Abend ein Thema abzuschließen, vor allem dann, wenn es ihnen schwerfällt, und starten entsprechend morgens mit einem neuen Abschnitt. Einige überlegen sich jeden Morgen spontan, auf welches Rechtsgebiet sie gerade Lust haben und ob sie einen Fall lösen oder im Skript lesen, wieder andere notieren sich abends kurz konkrete Aufgaben für den nächsten Morgen, um sofort einsteigen zu können und nicht das Gefühl zu haben, erst Zeit mit der Entscheidung für ein Thema zu verschwenden. 

Unbedingt empfehlenswert ist es, sich konkrete Ziele zu setzen. Dies treibt natürlich an, schafft aber vor allem eigenes positives Feedback und steigert damit die Zufriedenheit. Insofern ist ein Mittelmaß zu finden: Es gilt, sich selbst in gewissem Maße Druck zu erzeugen, ohne aber gleichzeitig völlig unrealistische Größenordnungen vorzugeben. Sinn und Zweck sind konterkariert, wenn Vorgenommenes von Anfang an nicht erreicht werden kann und man zusätzlich dadurch gestresst ist, ständig seine eigenen Vorgaben zu reißen. Sinnvoll ist etwa eine Unterteilung des Skripts in Seitenzahlen oder Abschnitte, die durch die Nachbereitung des entsprechenden Falls aus der Kleingruppe ergänzt wird.

Wer sich trotz Zielsetzung alleine nicht motivieren kann, dem hilft vielleicht das gemeinsame Lernen mit anderen (s.u.: „Gemeinsam lernen“).

Viele Student:innen sind vor allem dann konzentriert, wenn auch um sie herum gearbeitet wird - das gilt in der Bibliothek genauso wie im Café. Doch auch im Homeoffice kann man eine soziale Kontrolle etablieren. Wie engmaschig diese ist, hängt davon ab, welche Intensität der einzelne hier braucht, um sich produktiv zu fühlen - wobei sie natürlich keinen zusätzlichen Stress bringen soll.

Die Alternativen sind dabei vielfältig:

  • Ihr könnt Euch zum Beispiel am Anfang der Woche oder auch am Anfang jeden Tages mit Freunden, Partner oder eigens dafür gefundenen Kommilitonen kurz über Eure Tagesziele austauschen und/oder mittags oder abends von Eurem Fortschritt berichten. Als zusätzlicher Antrieb genügt oft schon, die eigenen Ziele einmal laut ausgesprochen zu haben - und zu wissen, dass man abends ggf. zugeben muss, doch den halben Tag mit der Lieblingsserie auf dem Sofa verbracht zu haben.
  • In einer nächsten Stufe könnt Ihr auch einen gemeinsamen Lernplan schaffen, etwa in dem Ihr Euch vorher absprecht, wer von Euch am Vormittag welchen Fall nacharbeitet. Die oftmals weniger produktive Phase nach dem Mittagessen könnt Ihr dazu nutzen, dem anderen den Fall am Telefon kurz vorzustellen, sodass diesem seine eigene Nachbearbeitung direkt einfacher fallen wird. 
  • Natürlich besteht auch die Möglichkeit, via Zoom gemeinsam zu lernen oder zu arbeiten. Oftmals werden solche Formate im Examensvorbereitungsprogramm vorgegeben oder aber ohnehin bereits privat organisiert. Wenn Ihr noch im Grundstudium seid und bislang keine Minigruppe habt, ist dies vielleicht ein guter Zeitpunkt, um diese Art des Lernens auszuprobieren.
  • Zoom hilft im Übrigen auch, wenn es Euch zur Schaffung einer produktiven Arbeitsatmosphäre genügt, andere Menschen beim Arbeiten zu sehen und Ihr in Eurer Minigruppe einfach die Kamera laufen lasst, während jeder für sich selbst lernt.

Neben der Herausforderung, sich zum Anfangen zu motivieren, gilt es auch, den Tag über dabeizubleiben und den Fokus nicht zu verlieren. Die Ablenkungsmöglichkeiten sind natürlich besonders groß im Homeoffice, wo einem plötzlich einfällt, dass man dringend den Kleiderschrank ausräumen sollte und der Dachboden mit Kisten voller Kindheitserinnerungen genauso wie das Sofa meist nur wenige Schritte entfernt sind. 

Oft genügt es schon, sich des vielfältigen Ablenkungspotenzials bewusst zu werden und hier reflektiert vorzugehen. Wer kurz hinterfragt, ob er unter dem Vorwand des Abschaltens in der Mittagspause die neue spannende Serie weiterschauen sollte und danach wirklich an den Schreibtisch zurückkehren wird, kann sich das meist recht gut selbst beantworten. Zufriedener ist, wer den Arbeitstag mit einem frühen Feierabend und dem Gefühl beendet, ihn sinnvoll genutzt zu haben und seinen Freizeitbeschäftigungen abends dann in Ruhe nachgeht.

Daneben empfiehlt es sich, inhaltlich bei einer Aufgabe zu bleiben und Multitasking zu vermeiden. Bei geringer zeitlicher Strukturierung ist die Versuchung größer, mehrere Dinge auf einmal erledigen zu wollen - egal, ob es unterschiedliche juristische Inhalte oder private organisatorische Nebentätigkeiten wie liegengebliebene Mails sind. Studien zeigen jedoch, dass nur etwa 2% der Menschen multitasken können. Die meisten anderen fühlen sich dazu zwar in der Lage, wechseln jedoch tatsächlich nur besonders oft und schnell zwischen zwei Projekten. Im Ergebnis benötigt man damit mehr Zeit, da ein wiederholtes “Reindenken” erforderlich ist. Mangels entsprechender Konzentration werden Fehler wahrscheinlicher und es fällt schwerer, Lösungswege und Inhalte zu verinnerlichen und langfristig zu behalten. Fokussiert Euch stattdessen auf eine Aufgabe und schafft mit einer kurzen Pause gedanklichen Abstand zwischen zwei Projekten. Wenn Euch dauernd andere Aufgaben einfallen, führt eine Liste neben Euren Lernunterlagen, auf der Ihr einzelne Stichpunkte notiert, die ihr dann später abarbeiten könnt. Dies ist oft sinnvoller als eine Handynotiz, die dazu einlädt, eine längere Pause am Telefon einzulegen.

Einige Student:innen bedienen sich zur Schaffung einer gleichbleibenden Arbeitsatmosphäre auch weiterer Hilfsmittel. Ein Student berichtet etwa, im Homeoffice immer dieselbe Playlist mit recht monotoner, treibender Musik zu hören. Was am Anfang noch ungewohnt ist, geht irgendwann so sehr in Fleisch und Blut über, dass man bei den ersten Tönen automatisch im Arbeitsmodus und konzentriert ist - unabhängig vom jeweiligen Arbeitsplatz. Das setzt natürlich voraus, dass man generell mit Musik lernen kann.

Die Gefahr an Pausen im Homeoffice ist, diese in einer weitaus häufigeren Frequenz also sonst zu machen oder aber sie Schritt für Schritt soweit zeitlich auszudehnen, dass man nicht mehr zur Produktivität zurückfindet (s.o. das Beispiel der Serien-Mittagspause unter „Die Disziplin halten“). Dennoch sind sie gerade im Homeoffice essentiell: Pausen unterbrechen den ohnehin monotonen Alltag, lockern das gleichbleibende Lernumfeld auf und fungieren vor allem auch als Belohnung, wenn eine Etappe geschafft oder ein Zwischenziel erreicht ist. 

Achtet deshalb darauf, möglichst amüsante und abwechslungsreiche Pausen zu gestalten. Ob Ihr mit den Mitbewohnern im Flur Volleyball spielt, mit dem Hund spazieren geht, die nächsten Reiseziele für die Zeit nach Corona recherchiert, Euch nur kurz einen neuen Kaffee macht oder einen Podcast hört - Hauptsache, Ihr kommt auf andere Gedanken. Das Homeoffice bietet hier insofern Vorteile gegenüber dem üblichen Arbeitsalltag, als dass es eine weitaus vielfältigere Pausengestaltung ermöglicht. Fragt Euch also, wie Ihr am besten abschalten könnt, ohne dabei jeglichen Antrieb zu verlieren. Für den einen ist das ein Telefonat mit Freunden, der andere entspannt sich, während er sich von Netflix berieseln lässt. Explizite Empfehlung in letzterem Fall: bereits geschaute Serien oder Naturdokumentationen. 

Versucht, Euch daneben mindestens einmal am Tag dazu zu motivieren, das Haus zu verlassen und Euch ein bisschen zu bewegen - auch wenn es nur zur noch geöffneten Eisdiele an der nächsten Ecke ist. In den eigenen vier Wänden ohne Aussicht auf baldige Änderung der Situation fällt man allzu leicht in einen Trott, indem man tagelang nur zu Hause bleibt. Dabei sind Bewegung und frische Luft nicht nur gut für den Körper, sondern auch für den Kopf, weil man auf andere Gedanken kommt.

Nicht zu vernachlässigen ist im Homeoffice auch der Aspekt der Ernährung. Während man im Uni-Betrieb auf das oft mittelmäßige Café- und Mensa-Essen angewiesen ist, eröffnet auch hier ein Studium zu Hause neue Möglichkeiten. Nicht nur gibt es die Freiheit, sich selbst auszusuchen, wann man was essen möchte. Auch ist das mittägliche Kochen nur auf den ersten Blick ein Effizienzverlust, der einen für längere Zeit aus dem Lernen herausreißt, und dient auf den zweiten Blick vielen Student:innen als willkommene Entspannung während der Zubereitungszeit. Dass es ein wenig Routine bedarf, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist, ohne aber stundenlang in der Küche gestanden zu haben, ist dabei klar. 

Es scheint selbstverständlich, aber zum Homeoffice gehört auch, das Lernen bewusst zu beenden. Gerade jetzt, wo Verabredungen, Sportkurse und Vorträge ausfallen, ist es leicht, den Arbeitstag bis in die späten Abendstunden auszudehnen - vielleicht auch, da man mit der Produktivität am Tag nicht zufrieden war und die Zeit hinten dran hängt. Im Ergebnis ist das natürlich ein Trugschluss: Das Gehirn baut ohnehin im Laufe des Tages ab und braucht vor allem seine Pausen. Die genauen Zahlen differieren in den Details, aber insgesamt geht man davon aus, dass niemand mehr als sechs Stunden am Tag produktiv arbeiten kann. Mit Pausen ist das ein Arbeitstag von maximal (!) zehn Stunden, also etwa von 8:30-18:30 Uhr. Wer länger lernt, weil dies vermeintliche Struktur in einer eher strukturlosen Zeit schafft, belügt sich selbst - man nimmt nichts mehr auf und ist am kommenden Tag unausgeruht.

Stattdessen solltet Ihr die Abende tatsächlich für Freizeit nutzen - auch wenn die Möglichkeiten aktuell natürlich drastisch eingeschränkt sind. Dennoch, Kontakt mit Freunden funktioniert genauso via Telefon - auch, um schon mal gemeinsame Aktivitäten für die Zeit nach Corona zu planen. Seid außerdem nicht zu hart zu Euch beim Einhalten Eurer zeitlichen Vorgaben: Manchmal bringt es mehr, einen unbefriedigenden Arbeitstag schon nach dem Mittagessen zu beenden, anstatt sich den ganzen Tag zu quälen und abends mit dem geringen Fortschritt auch noch unzufrieden zu sein.

Und vor allem: positiv bleiben!

Unabhängig davon, ob Euch die obigen Tipps weiterhelfen, ist eigentlich nur ein Ratschlag wirklich relevant: Bleibt positiv. Niemand ist auf dieses Szenario vorbereitet gewesen oder hat einen perfekten Plan, und alle sind gleichermaßen betroffen - egal, ob durch das Stornieren von Reisen, die Absage des Auslandssemesters, die Verschiebung des Examens oder Sorgen um die finanzielle Unabhängigkeit und Gesundheit. Wenn es Euch stresst, jeden Tag über neue Infektionszahlen, Ausgangsbeschränkungen und Exit-Strategien zu lesen, versucht, Euren Medienkonsum zu dem Thema zu limitieren und Euch auf das zu beschränken, was Ihr im Moment tun könnt: sich an die medizinischen und hygienischen Ratschläge zu halten und sich bewusst zu machen, dass dies eine vorübergehende Situation ist.

Vergesst dabei auch nicht, dass das Lernen zu Hause nicht nur für Euch, sondern auch für alle Eure Freunde und Kommilitonen neu ist und diese damit genauso kämpfen wie Ihr - auch, wenn Ihr ohne die täglichen Gespräche beim Kaffee und zwischen den Vorlesungen davon weniger mitbekommt. Niemand ist von einem Tag auf den anderen im Homeoffice genauso produktiv wie ansonsten in der Bibliothek. Die Vorstellung, dass alle anderen sich zu Hause in Jura-Genies verwandeln und den ganzen Tag lernen, während Ihr nicht vorankommt, ist genauso absurd wie das Ziel, die Corona Krise zur stetigen Selbstoptimierung zu nutzen. Niemand muss neben dem Selbststudium Yoga-Figuren lernen, Schichttorte backen oder Tolstoi im Original lesen. Gestaltet Euch stattdessen Eure Zeit so, wie sie Euch gerade am glücklichsten macht - und habt Geduld, wenn nicht alles sofort klappt.

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