Green Finance

Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität bis 2050 muss auch der Finanzsektor mit seinem Potential zur Investitionssteuerung in den Transformationsprozess eingebunden werden — laut Pariser Abkommen eine völkerrechtliche Verpflichung der Vertragsstaaten.

    Was ist Green Finance?

    Der Begriff Green Finance ist – trotz Unschärfen – eine Unterkategorie von Sustainable Finance.

    Bei Green Finance geht es speziell darum, Finanzinvestitionen vermehrt in möglichst klimafreundliche Projekte und Produkte umzulenken und darüber hinaus zusätzliches Kapital zu mobilisieren.

    Durch Green Finance sollen nicht nur Fortschritte im Umweltschutz erzielt werden, sondern man will den Finanzmarkt auch stabiler und effizienter gestalten. Bislang werden Nachhaltigkeitsrisiken, deren Verwirklichung in der Regel noch weit in der Zukunft liegt, nicht adäquat eingepreist.

    Beispiel "Green Bonds"

    Ein wichtiges Green Finance-Produkt sind Green Bonds, bei denen sich die Emittenten gegenüber den Investoren verpflichten, die Investitionssummen zur Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.

    Im Kapitalmarktrecht bisher nur ansatzweise berücksichtigt

    Als innovativer Ansatz in der Finanzsystementwicklung ist Green Finance im Kapitalmarktrecht bislang nur ansatzweise berücksichtigt ist. Auf europäischer Ebene wurden seit 2016 mit dem Erlass verschiedener Verordnungen nur erste Grundbausteine für einen Rechtsrahmen für Green Finance geschaffen: Die Taxonomie-VO (EU) 2020/852 setzt Leitplanken, in denen die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten Klassifikationsmodelle für nachhaltige Finanzprodukte entwickeln können. Die Offenlegungs-VO (EU) 2019/2088 legt fest, wie Finanzmarktakteure die Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Finanzprodukten offenlegen müssen. Zusammen mit der Benchmark-VO (EU) 2019/2089 sind sie weltweit das fortgeschrittenste Regulierungsunterfangen in einem Bereich, der global an Bedeutung gewinnt.

    Europäisch wie auch national bedarf es jedoch weiterer konkretisierender Rechtsakte. Dies wirft Fragen auf verschiedenen Ebenen auf.

      Fragen aus der Steuerungsperspektive

      • Soll konzeptionell primär auf hoheitliche Regulierung oder Selbstregulierung der Marktakteure gesetzt werden oder ist eine Strategie regulierter Selbstregulierung vorzugswürdig?
         
      • Welche Instrumente sollten zur (Anreiz-)Regulierung eingesetzt werden?
         
      • Wie lassen sich die Informationsdefizite konkret bewältigen, auch über allgemeine Transparenzverpflichtungen durch die Offenlegungs-VO hinaus?

      Fragen aus der Marktakteur-Perspektive

      • Welche Geschäftsmodelle werden hier gefördert bzw. sollten gefördert werden?
         
      • Welche Akteure – zu denken ist neben privaten Investoren auch an Staatsfonds oder die Europäische Zentralbank – gewinnen hier Gestaltungsmacht und mit welchen rechtlichen Möglichkeiten?

      Ausblick: Forschungs- und Kooperationsbedarf

      Im Bereich Green Finance hat die intradisziplinäre Forschung einen hohen Stellenwert: Über die öffentlich-rechtlich geprägte Regulierungsperspektive hinaus ist auch der privatrechtliche Zugang zum Kapitalmarktrecht von großer Bedeutung angesichts der engen Verbindung mit gesellschaftsrechtlichen und vertragsrechtlichen Fragestellungen.

      Die Ausgestaltung des Regulierungsgefüges ist zudem untrennbar mit ökonomischen Fragestellungen verknüpft, was eine interdisziplinäre Zusammenarbeit nahelegt. Umweltökonomisch gilt es zu erforschen, wie Nachhaltigkeitsrisiken in Finanzprodukte eingepreist werden können. Verhaltensökonomisch stellt sich die Frage, inwieweit Informationen zu nachhaltigen Finanzprodukten zu einem effizienteren Marktgeschehen beitragen, sodass mehr Informationen tatsächlich zu mehr Investitionen in ökologisch nachhaltige Finanzprodukte führen.

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