Chinas Aufstieg zur Tech-Supermacht

Der „Bucerius Greater China Talk“ markierte den Übergang der bisherigen Studium generale-Abendveranstaltungen in das neue Debattenforum.

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Begrüßt wurden die Gäste von Benedikt Landgrebe, Geschäftsführer der Bucerius Law School, der die Ausweitung der Veranstaltungsreihe für die Hamburger Stadtgesellschaft einordnete. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Dr. Maximilian Mayer, Juniorprofessor für Internationale Beziehungen an der Universität Bonn. Die anschließende Diskussion wurde von Bucerius-Alumnus Dr. Stephan Kuntner moderiert, Executive Director bei Aon und ausgewiesener China-Experte.

Technologischer Wettbewerb im globalen Kontext

In seinem Vortrag analysierte Maximilian Mayer den technologischen Aufstieg Chinas vor dem Hintergrund globaler Machtverschiebungen. Ausgangspunkt war die Diagnose einer Krise westlicher Demokratien, verbunden mit der Frage, ob und inwiefern Europa heute von China – oder auch von den USA – lernen könne. Für Europa stelle sich zunehmend die Herausforderung, strategisch umzudenken und bestehende Annahmen zu hinterfragen.

China sei noch vor wenigen Jahrzehnten technologisch abgeschottet gewesen, heute dominierten Schlagzeilen über den rasanten wissenschaftlichen und industriellen Aufstieg des Landes. Mayer warnte jedoch vor vorschnellen Bewertungen. China habe den technologischen Wettbewerb nicht bereits gewonnen; vielmehr befinde sich das internationale System in einer Phase grundlegender Neuordnung.

China ist heute mit rund 35 Prozent der weltweit produzierten Güter der mit Abstand größte Hersteller. Gleichzeitig relativierte Mayer den Begriff der „Tech-Supermacht“. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt sei im globalen Vergleich weniger dominant, als es häufig erscheine. Deutlich sei jedoch der Wandel im Forschungsbereich: Zwischen 2020 und 2024 stammten rund 40 Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen im Technologiebereich aus China, während Deutschland bei etwa drei Prozent liege. Auch bei hochwertigen Publikationen habe China die USA in einzelnen Bereichen überholt.

Ursachen des Aufstiegs

Als zentrale Erfolgsfaktoren nannte Mayer langfristige Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Urbanisierung seit dem Ende der 1970er Jahre. China verfüge inzwischen über nahezu so viele Spitzenuniversitäten wie die USA. Hinzu kämen experimentelle politische Steuerungsansätze, flexible Regulierung sowie eine enge Verzahnung staatlicher und privater Investitionen. Technologietransfer, Imitation und internationale Kooperationen hätten den Aufstieg ebenso begünstigt wie intensive Wettbewerbsdynamiken – allerdings unter erheblichem sozialem Druck.

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas sei von Beginn an ein globales Projekt gewesen. Outsourcing-Prozesse und ausländisches Know-how hätten maßgeblich zum Wachstum beigetragen. Erst in jüngerer Zeit werde diese Verflechtung globalpolitisch zunehmend infrage gestellt. Unter dem Begriff der „weaponized interdependence“ beschrieb Mayer, wie wirtschaftliche Abhängigkeiten gezielt als politische Druckmittel eingesetzt würden.

Konsequenzen für Europa

Für Europa ergebe sich daraus ein erheblicher Anpassungsbedarf. Bestehende Denkschemata reichten nicht mehr aus, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Ziel könne nicht vollständige Autarkie sein, sondern ein tragfähiges Maß an technologischer Eigenständigkeit. Europa müsse lernen, mit Zielkonflikten umzugehen, neue Partnerschaften etwa mit Indien, Südkorea oder den Golfstaaten zu entwickeln und zugleich zu akzeptieren, in bestimmten Branchen nicht mehr führend zu sein. Eine Abkehr von China dürfe dabei nicht in eine noch stärkere Abhängigkeit von den USA münden.

Der Abend machte deutlich, dass Chinas technologischer Aufstieg nicht nur wirtschaftliche, sondern auch grundlegende geopolitische Folgen hat und Europa vor strategische Entscheidungen stellt, die sich nicht weiter aufschieben lassen.

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Abt. Recht & Gesellschaft

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