Das ist: Alea - Praktikantin bei Renzenbrink & Partner

Jurastudent:innen der Bucerius Law School absolvieren zwei Praktika um Einblicke in die Rechtspraxis zu erhalten. Hier berichten sie darüber.

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Warum hast Du genau dieses Praktikum gewählt?

Nach meinem ersten Studienjahr an der Bucerius Law School wollte ich für mein Einführungspraktikum erste Einblicke in die anwaltliche Arbeit gewinnen. Da ich bis dahin im Studium noch kaum etwas aus dem Bereich Wirtschaftsrecht kennengelernt hatte, hat mich Renzenbrink & Partner als spezialisierte Boutique-Kanzlei mit Fokus auf Private Equity, M&A und Gesellschaftsrecht besonders angesprochen. 

Die Kanzlei ist bekannt für ihre Expertise in komplexen Transaktionen und arbeitet mit internationalen Mandanten zusammen. Rückblickend fand ich es sehr positiv, in einer kleineren Kanzlei zu sein – dort wird man als Praktikantin wirklich substanziell in die Arbeit eingebunden und kann direkt an Mandaten mitarbeiten, zum Beispiel durch eigene Recherchen, die Prüfung von Verträgen oder die Bearbeitung von Due Diligence Reports.

 

Was hat Dich während Deines Praktikums besonders beeindruckt?

Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell ich Verantwortung übernehmen durfte. Schon in der ersten Woche habe ich die Wirksamkeit nachvertraglicher Wettbewerbsverbote geprüft – ein Thema, mit dem ich mich später auch in meiner Seminararbeit beschäftigt habe. 

Ich durfte Legal Due Diligence Reports bearbeiten, Patente und Marken prüfen und bei der Vertragsgestaltung im Zusammenhang mit Kapitalerhöhungen mitwirken. Einmal war ich auch bei einem Notartermin dabei. Besonders gut fand ich, dass einmal pro Woche in der Mittagspause ein Vortrag gehalten wurde; so habe ich auch Einblicke in Thematiken bekommen, an denen ich selbst gar nicht gearbeitet habe, und konnte über meinen eigenen Tellerrand hinausschauen. 

Das Praktikum hat mir insgesamt gezeigt, wie komplex und vielschichtig die Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei ist. Es geht eben nicht nur um rechtliche Fragen, sondern auch um strategische Beratung und unternehmerisches Denken.

 

Was war ungewohnt für Dich, vielleicht sogar blöd?

In der Kanzlei läuft alles sehr schnell. Anders als im Studium, wo man sich seine Zeit ziemlich frei einteilen kann, sind dort Fristen einzuhalten und manchmal ändern sich Prioritäten kurzfristig, was eine Umstellung für mich war. Auch musste ich erstmal lernen, die Dynamik in einer solchen Kanzlei zu verstehen – wem kann ich wann wie viele Fragen stellen, wie viel Eigeninitiative ist gewünscht etc. 

Natürlich war es manchmal frustrierend, dass ich bei komplexeren rechtlichen Fragestellungen an meine Grenzen gestoßen bin – einfach, weil mir im ersten Studienjahr noch das vertiefte Wissen gefehlt hat und auch, weil ich bis zu dem Zeitpunkt noch keine Erfahrung mit Recherchearbeiten hatte, auch meine erste Hausarbeit habe ich erst nach dem Praktikum geschrieben. Auch da findet man sich aber ein. 

Was man natürlich berücksichtigen muss, ist, dass kein Praktikantenprogramm angeboten wird, durch welches man eventuell eher Aufgaben bekommen hätte, die auf den aktuellen Studienstand besonders zugeschnitten sind, sondern man übernimmt eben das, was gerade so anfällt. Das würde ich allerdings nicht als negativ werten, weil man so zumindest weiß, dass das, was man macht, nicht nur der eigenen Beschäftigung dient, sondern man am realen Fall mitarbeitet.

 

Inwiefern hat das Praktikum Deinen Berufswunsch beeinflusst?

Das Praktikum hat meinen Wunsch bestärkt, als Anwältin in einer internationalen Kanzlei zu arbeiten. Ich habe gemerkt, dass mir die Arbeit an Transaktionen und die Beratung von Unternehmen Spaß macht. 

Gleichzeitig wurde mir aber auch klar, dass ich mir für mein Vertiefungspraktikum bewusst ein anderes Rechtsgebiet anschauen möchte, um auch andere Seiten der juristischen Praxis kennenzulernen. Das Praktikum hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, während des Studiums verschiedene Bereiche auszuprobieren, bevor man sich festlegt.

 

Was würdest Du Studienanfänger:innen raten?

Nutzt die Praktika, um möglichst viele verschiedene Eindrücke gewinnen zu können. Häufig weiß man während des Studiums, gerade am Anfang, noch nicht genau, in welchem Bereich man sich selbst später sieht. 

Insbesondere dadurch, dass sich die Praxis natürlich auch von den theoretischen Inhalten des Studiums stark unterscheidet, findet man erst durch die Praktika heraus, wo man tatsächlich seinen Schwerpunkt legen möchte. 

Lasst Euch am besten einfach drauf ein und fragt gegebenenfalls in den höheren Jahrgängen bei denjenigen nach, die in der entsprechenden Kanzlei (oder Gericht, Strafverteidiger, etc.) bereits ein Praktikum absolviert haben.

 

Alea, vielen Dank für das Interview.

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