Die europäische Sicherheitsordnung befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Inmitten wachsender geopolitischer Spannungen und neuer sicherheitspolitischer Gewissheiten stand die Zukunft der NATO im Zentrum einer hochschulöffentlichen Veranstaltung im Debattenforum am 28. Januar 2026. Moderiert wurde der Abend mit General Laubenthal von Fee Isabella Weinberger, Doktorandin und Alumna der Bucerius Law School.

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Die NATO im Fokus: Neue Strategien für Abschreckung und Verteidigung
Zu Gast im Debattenforum war General Markus Laubenthal, Chief of Staff im SHAPE, dem militärstrategischen Hauptquartier der NATO.
Im Zentrum des Abends stand eine sicherheitspolitische Lagebeschreibung. General Laubenthal zeichnete in seinem Vortrag ein Bild tiefgreifender Veränderungen moderner Kriegsführung, wie sie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine offenlege. Klassische Frontlinien verschwänden zunehmend zugunsten transparenter, digital überwachter Gefechtsräume. Drohnen, präzisionsgelenkte Waffen und schnelle Innovationszyklen bestimmten ein „gläsernes Gefechtsfeld“, in dem Tempo, Anpassungsfähigkeit und technologische Vernetzung entscheidend seien.
Neben der fortgesetzten russischen Aggression in der Ukraine verwies Laubenthal auf tägliche hybride Angriffe, Desinformation und gezielte Provokationen im Bündnisgebiet, die auf Verunsicherung und Spaltung zielten. Abschreckung beginne daher mit Klarheit über die Lage und der Fähigkeit, Gegnern jedwede Überlegenheit über das Bündnis zu verwehren. Laubenthal ließ keinen Zweifel: Russland bleibe die unmittelbarste Bedrohung für Deutschland.




Als Antwort auf diese Lage hob Laubenthal den Transformationsprozess der NATO hervor: Die Allianz habe sich immer wieder an neue Realitäten angepasst und sei heute größer und handlungsfähiger als zuvor. Die transatlantische Partnerschaft bestehe fort, sei jedoch mit der Erwartung verbunden, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernimmt.
Glaubwürdige Abschreckung erfordere mehr als höhere Verteidigungsausgaben. Entscheidend seien zudem funktionierende Führungsstrukturen, einsatzbereite Streitkräfte und eine leistungsfähige industrielle Basis. Das Center of Gravity glaubwürdiger Abschreckung sei letztlich aber der Zusammenhalt in der Allianz, um Fehlkalkulationen eines Gegners zu verhindern und Fliehkräften keinen Vorschub zu leisten – hier käme es auf alle 32 Alliierte an.

Dabei werde besonders auf Deutschland geblickt: Als geografisches Zentrum der Allianz sei die Bundesrepublik Schlüsselfigur in Logistik und Verstärkung, für Kohäsion und Brückenbauen. Führung bedeute in diesem Kontext vor allem Tempo, Prioritätensetzung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Abschließend betonte Laubenthal die Bedeutung gesellschaftlicher Resilienz. Militärische Stärke allein genüge nicht. Abschreckung basiere ebenso auf politischer Geschlossenheit und einer widerstandsfähigen Gesellschaft. In einer Zeit wachsender Unsicherheit werde Sicherheitspolitik damit zu einer zentralen Aufgabe für Staaten und Bündnisse, und vor allem für die Gesellschaft insgesamt.


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Abt. Recht & Gesellschaft
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