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Elf Teams, eine Challenge: KI-Helfer für den Rechtsalltag entwickeln
Der zweite Hamburg Legal Hackathon brachte Recht und Code zusammen: Ein Wochenende voller Prototyping und Legal Innovation
Der Hamburg Legal Hackathon brachte vergangenes Wochenende erneut Studierende und junge Talente aus Recht, Informatik, Wirtschaft und weiteren Disziplinen auf dem Campus der Bucerius Law School zusammen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bucerius Legal Innovation Hub in Kooperation mit den studentischen Legal-Tech-Initiativen b{u}ilt und recode.law
Nach der erfolgreichen Hackathon-Premiere im vergangenen Jahr stand diesmal eine neue Leit-Challenge im Mittelpunkt: „(Legal) AI Buddies“. Das Ziel: Innerhalb eines Wochenendes sollten tragfähige Prototypen entstehen, die Künstliche Intelligenz als praktische Unterstützung im Rechtskontext nutzbar machen – für Studierende, Verbraucher, Kanzleien, Unternehmen oder Menschen, die sich im deutschen Behörden- und Rechtssystem zurechtfinden müssen.
85 Teilnehmende aus ganz Deutschland (und darüber hinaus!) entwickelten in elf Teams digitale Lösungen, die zeigten, wie vielfältig Legal AI Anwendungen schon heute gedacht werden kann.


Praktische Ideen für Rechtsalltag und Ausbildung
Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag wurde konzipiert, gecodet, getestet und gepitcht. Die Projektideen reichten von Plattformen zur Prüfung von Bußgeldbescheiden und Abrechnungen über einen Gründungsnavigator und eine Browsererweiterung für AGB-Verbraucherschutzthemen bis hin zu KI-basierten Orientierungslösungen für das Ankommen in Deutschland. Auch Anwendungen für den B2B-Kontext waren vertreten – etwa Tools zur Optimierung des Mandatsannahmeprozesses oder ein KI-basiertes Anwaltsmatching.
Besonders stark vertreten waren in diesem Jahr Lösungen für die juristische Ausbildung. Gleich mehrere Teams entwickelten KI-Lernbuddies unterschiedlichen Zuschnitts: darunter ein Feedback-Tool zur Einhaltung des Gutachtenstils, ein KI-gestützter Fallbearbeitungstrainer und ein Prüfungssimulator für mündliche Prüfungen.
Auffällig war dabei, wie selbstverständlich die Teilnehmenden moderne KI-Tools in ihre Arbeitsprozesse integrierten. Durch die verbesserten Möglichkeiten des sogenannten KI-Vibecodings gelang es vielen Teams, ihre Ideen innerhalb von 46 Stunden nicht nur zu beschreiben, sondern als funktionsfähige Minimum Viable Products erlebbar zu machen.
Die Gewinnerteams 2026
Am Sonntag präsentierten die elf Teams ihre Ergebnisse vor einer dreiköpfigen Jury, bestehend aus Prof. Dr. Christoph Kumpan von der Bucerius Law School, Nicole Vogelsberger von der ARAG und Dr. Rainer Derks, Vizepräsident des Oberlandesgerichts Celle.
Die Teams hatten jeweils fünf Minuten Zeit, um ihre Ideen und Prototypen vorzustellen. Anschließend stellten sie sich den Fragen der Jury. Bewertet wurden die Projekte anhand von fünf Kriterien: Innovationspotenzial, praktische Umsetzbarkeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Beitrag zur Leit-Challenge und Pitch-Leistung.
🥇 Platz 1: Team "StayInG"
Das Siegerteam entwickelte ein Tool, das Menschen in Deutschland, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, aber eine Perspektive in Deutschland haben möchten, hilft, ihre individuelle rechtliche Situation zu verstehen, Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen und passende Beratungsstellen zu finden. Damit adressiert das Projekt nicht nur ein praktisches Problem vieler Menschen, sondern auch eine gesellschaftlich hochrelevante Frage.

🥈 Platz 2: Team "Gutachti"
Mit Gutachti entwickelte das zweitplatzierte Team einen KI-Lernbuddy für den juristischen Gutachtenstil. Das Tool gibt individuelles Feedback und kann Studierende insbesondere zu Beginn des Studiums dabei unterstützen, die Struktur juristischer Fallbearbeitung zu erlernen. Zugleich zeigt das Projekt, wie KI auch in der Examensvorbereitung sinnvoll eingesetzt werden kann.

🥉 Platz 3: Team "LawTalk"
LawTalk ist ein KI-gestützter Prüfungssimulator für juristische mündliche Prüfungen. Das Tool ermöglicht realitätsnahe Übungssituationen und unterstützt Studierende dabei, Prüfungsgespräche zu trainieren, Argumentationsfähigkeit zu stärken und Sicherheit für die mündliche Prüfung zu gewinnen.

Die Jury zeigte sich beeindruckt von der Qualität der Pitches, der technischen Umsetzungsstärke und der reflektierten Auseinandersetzung mit praktischer Anwendbarkeit und Geschäftsmodellen. Die drei Gewinnerteams durften sich über Preise im Gesamtwert von 4.000 Euro freuen, die von JUSPERTA zur Verfügung gestellt wurden.

Impulse, Mentoring und viel Raum für Austausch
Begleitet wurde der Hackathon von einem Rahmenprogramm. Es startete mit einer Einführung in die Leit-Challenge durch Katharina Sophie Hertel von recode.law und einem Crashkurs zu Hacking-Grundprinzipien von Wangu Pullwitt von b{u}ilt. Anschließend gab Clara Grunwald den Teilnehmenden mit ihrem Impuls „Legal Design: From Paragraphs To Prototypes“ wichtiges Rüstzeug für die Entwicklung nutzerzentrierter Prototypen an die Hand.
Am Wochenende unterstützten sodann erfahrene Mentor aus unterschiedlichen Disziplinen die Teams bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen. Tim Platner, Legal Data Technology GmbH und Beirat der JUSPERTA, gab Praxisimpulse zu Geschäftsmodellen im Bereich Legal AI. Dr. Adrian Heuzeroth von honert berichtete humorvoll über KI im anwaltlichen Alltag. Marco Magacs von Libra und Philipp Mayr von recode.law zeigten, welchen Einfluss KI auf die Entwicklung von Prototypen haben kann. Und Menekşe Ciytak von der Versicherung ARAG stellte in ihrem Impuls die Nutzerperspektive in den Mittelpunkt.
Auch abseits der Arbeit an den Prototypen blieb viel Raum für Austausch. Beim Pizza-Networking fanden sich die Teams zusammen, am Samstagabend bot die BBQ Night Gelegenheit zum Kennenlernen und Weiterdenken. Ein spontan organisiertes nächtliches WM-Private-Viewing im Hörsaal bot zusätzliche Hackathon-Atmosphäre auf dem Campus.

Ein Wochenende für die Rechtswelt von morgen
Der zweite Hamburg Legal Hackathon hat gezeigt, dass die Schnittstelle von KI und Recht längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist. Die entwickelten Prototypen machten sichtbar, wie Legal AI ganz konkret helfen kann: beim Lernen, bei der Mandatsannahme, beim Verbraucherschutz, beim Zugang zu Behörden oder bei der Navigation durch rechtliche Informationen.
Auch die Organisatoren zeigten sich begeistert: „Der deutliche Anstieg der Teilnehmendenzahlen zeigt, dass der Hamburg Legal Hackathon inzwischen einen festen Platz als innovatives Veranstaltungsformat an der Schnittstelle von KI und Recht einnimmt. Die Teams haben eindrucksvoll gezeigt, wie viel Kreativität und Problemlösungskraft an einem Wochenende entstehen kann. Das Veranstaltungsformat bringt dabei genau den interdisziplinären Austausch hervor, den wir für gesellschaftlich relevante Innovation im Recht brauchen“, so Dr. Florian Skupin, Executive Director Legal Technology an der Bucerius Law School.
Ein besonderer Dank gilt den Projektpartnern JUSPERTA und Libra sowie den Partnern des Bucerius Legal Innovation Hub (ARAG, Wolters Kluwer Legal Software Deutschland, Legora und Milbank), die mit ihrer Unterstützung entsprechende Formate ermöglichen.
Die zweite Edition hat eindrucksvoll an den Auftakt des vergangenen Jahres angeknüpft, womit der Hamburg Legal Hackathon weiter gewachsen ist – als Ort für interdisziplinären Austausch, kreative Prototypen und gesellschaftlich relevante Innovation im Recht. Fortsetzung? Definitiv.
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