Der Bucerius Innovation Day 2026, der diese Woche auf dem Campus der Bucerius Law School in Hamburg stattfand, widmete sich in diesem Jahr der zentralen Frage: Wie lässt sich aus den Daten interner und externer Mandanten Wertschöpfung erzeugen?
Strategische Datennutzung – aber wie?
Ausgangspunkt der Überlegungen war die Erkenntnis, dass Rechtsabteilungen und Kanzleien auf einem Berg, geradezu „einem Schatz“, von Daten sitzen. Die Analyse von 80.000 Dokumenten im Rahmen einer Due Diligence führt im besten Fall zu einem Unbedenklichkeitsstempel. Doch wenn sie nur zu einem Unbedenklichkeitsstempel führt, ist dies nicht eine verpasste Chance? Und wenn alle paar Wochen eine solche Dokumentenanalyse stattfindet und dazu noch in demselben Wirtschaftszweig, könnte man dann aus diesen Daten nicht eine Menge über die Funktionsweise der Branche lernen? Und könnte man auf der Basis dieses Wissens nicht vielleicht frühzeitig Risiken erkennen, Prognosen treffen, strategische Beratungen anbieten?
Daten zwischen Qualität, Kuratierung und Kontextualisierung
Dies alles könnte man, tut es aber kaum, weil die Umsetzung dieser Idee in der Praxis deutlich schwieriger ist als es klingt. Von den Vortragenden Nina Endres (Deutsche Bahn) und Christian Braun (Osborne Clarke) konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, dass Daten zwar vorliegen, aber oft ungeordnet, fragmentiert, unkategorisiert und oft noch nicht einmal fehlerfrei maschinenlesbar. Zudem sei die unhinterfragte Verwendung von Daten, deren Kontext nicht vollständig erfasst ist, ein großes Risiko, wenn sie die Referenz für zukünftige Datengenerierung mittels KI bilden sollen. Welche Anwendung eine Kanzlei oder Rechtsabteilung nutzt, erfuhren die Teilnehmenden, sei am Ende eine Commodity-Entscheidung; ein Marktvorsprung ergebe sich vor allem aus der Qualität, Kuratierung und Kontextualisierung der zugrundeliegenden Daten.
Beispiel von Datennutzung
Prof. Dr. Alexander Meyer (Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Charité Berlin) stellte im nächsten Abschnitt dar, welche Relevanz Daten für die Verbesserung der Behandlungsqualität und die Entwicklung von Geschäftsmodellen in der Medizin haben. Mit der KI als „neuem Mikroskop“ lassen sich feingliedrig Muster erkennen, auf denen Diagnose, Therapieplanung und Therapieoptimierung aufbauen können.
Datennutzung im juristischen Kontext
Im anschließenden Workshop unter der Leitung von Dr. Felix Wendenburg bestand die Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, die vorgestellten Konzepte auf den juristischen Kontext zu übertragen, Hürden, Widerstände und Hinderungsgründe, die der Verwendung von Mandantendaten entgegenstehen, in den Blick zu nehmen und Use Cases zu skizzieren, die unter Nutzung von Anonymisierungssoftware, Einwilligungsmechanismen, rein statischer Auswertung usw. den Goldschatz, der in Mandantendaten verborgen liegt, zu heben.
Mit bewusst steil gehaltenen Thesen konfrontierte Marc Ohrendorf (Direktor Bucerius CLP) den Teilnehmerkreis abschließend u.a. zur Entwicklung von Schnittstellen zwischen Kanzlei und Rechtsabteilung. Ausreichend food for thought für ein ganzes Jahr also – bis zum nächsten Bucerius Innovation Day!
Der Bucerius Innovation Day ist das Alumni-Format des Bucerius Open Innovation Labs, einer gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsplattform für Rechtsabteilungen, Kanzleien und Technologieanbieter. Das gewonnene Know-how des Open Innovation Labs wurde genutzt, um Erkenntnisse für die Zukunft des Rechtsberatungsmarktes zu erhalten und die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden markt- und zukunftsgerecht zu gestalten. Der Bucerius Innovation Day fand im Juni 2026 bereits zum neunten Mal statt.
