Wirtschaftliche Macht im Wandel

An der Bucerius Law School waren Konstantin Richter und Burkhard Schwenker zu Gast.

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Welche Netzwerke prägen die deutsche Wirtschaft? Und wie hat sich wirtschaftliche Macht in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Abend des Debattenforums an der Bucerius Law School. Konstantin Richter und Prof. Dr. Burkhard Schwenker diskutierten über wirtschaftliche Macht, den Wandel unternehmerischer Netzwerke und die Verantwortung von Unternehmen in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Wirtschaftsjournalistin Simone Salden (manager magazin).

Die Deutschland AG als Machtzentrum

Ausgangspunkt der Diskussion war Richters Buch über den Aufstieg und Fall der Deutschland AG. Darin beschreibt er jene engen Netzwerke aus Banken, Industrieunternehmen und wirtschaftlichen Eliten, die die Bundesrepublik über Jahrzehnte geprägt haben. Bereits eine Beobachtung zum Buchcover machte deutlich, wie exklusiv diese Machtstrukturen waren: Die wenigen abgebildeten Frauen seien, so Richter, vor allem die Sekretärinnen der damaligen Entscheidungsträger. Wirtschaftliche Macht lag lange Zeit in den Händen kleiner, überwiegend männlicher Netzwerke.

Die Deutschland AG beruhte auf engen personellen und wirtschaftlichen Verflechtungen. Banken waren an Industrieunternehmen beteiligt, Unternehmen wiederum an anderen Unternehmen. Führungskräfte blieben oft jahrzehntelang in denselben Konzernen und besetzten gleichzeitig zahlreiche Aufsichtsratsmandate. Das sorgte für Stabilität und langfristiges Denken, schuf aber zugleich geschlossene Machtstrukturen.

Anhand von Unternehmerpersönlichkeiten wie Alfred Krupp und Werner von Siemens diskutierten die Gäste unterschiedliche Formen wirtschaftlicher Führung. Während Krupp für ein patriarchal geprägtes Unternehmertum stand, sah Richter in Siemens vor allem einen Unternehmer, der bestehende Technologien weiterentwickelte und daraus erfolgreiche Systeme schuf.

Vom Netzwerk zur Verantwortung

Burkhard Schwenker verwies zugleich auf die Schattenseiten solcher Machtkonzentrationen. Besonders die Verflechtungen wirtschaftlicher Eliten mit politischen Machtstrukturen hätten gezeigt, welche Risiken entstehen können, wenn Einfluss in wenigen Netzwerken gebündelt wird.

Für Schwenker ist die klassische Deutschland AG heute jedoch weitgehend Geschichte. Globalisierung, internationale Kapitalmärkte und technologische Umbrüche hätten die alten Strukturen aufgelöst und die Wirtschaft grundlegend verändert. Moderatorin Simone Salden lenkte die Diskussion deshalb auf die Frage, welche Formen wirtschaftlicher Macht an ihre Stelle getreten sind.

Mit dem Ende der alten Netzwerke stellt sich zugleich eine neue Frage: Wer übernimmt heute gesellschaftliche Verantwortung? Während wirtschaftliche Entscheidungen früher häufig innerhalb relativ geschlossener Elitenzirkel getroffen wurden, stehen Unternehmen heute stärker im öffentlichen Fokus. Wirtschaftlicher Erfolg, so Schwenker, beruhe langfristig auf gesellschaftlicher Stabilität und dem Vertrauen in demokratische Institutionen.

Europas Rolle in einer neuen Wirtschaftsordnung

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf Europa. Angesichts globaler Konkurrenz durch die USA und China seien viele wirtschaftliche Herausforderungen nicht mehr national zu lösen. Die Diskutierenden plädierten deshalb für ein stärker europäisch ausgerichtetes Denken. Gerade die Verbindung von Innovationsfähigkeit, Fachkräfteausbildung und langfristiger Stabilität könne eine besondere Stärke Europas sein.

Der Abend zeigte, wie stark sich wirtschaftliche Machtstrukturen in Deutschland verändert haben. Die Frage nach Verantwortung ist dabei nicht verschwunden. Sie stellt sich heute lediglich unter anderen Vorzeichen: weniger innerhalb geschlossener Netzwerke, dafür umso stärker im Spannungsfeld von Globalisierung, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

 

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Abt. Recht und Gesellschaft

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