5 Minuten mit: Prof. Lisa Guntermann

Prof. Guntermann, Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht, erzählt im Interview warum es wichtig ist, neugierig zu bleiben #14.

Forschung & Fakultät |

Prof. Dr. Lisa Marleen Guntermann ist seit April 2023 Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht an der Bucerius Law School. Im Video „5 Minuten mit“ berichtet sie von ihrer Tätigkeit in einer Großkanzlei und erklärt, warum Neugier ein hohes Gut ist und weshalb sie sich nach dem Abitur für Jura und nicht für ein Designstudium entschieden hat.

NACH DEM ABITUR

Nach dem Abitur hat sich Prof. Guntermann zunächst auf Anglistik, Germanistik, BWL und Design beworben. Um bessere Berufsaussichten zu haben und mehr Planungssicherheit zu haben, hat sie sich dann schließlich doch für „etwas Handfesteres“ entschieden – das Jurastudium.

DAS BESONDERE AN DER JUNIORPROFESSUR

Die Juniorprofessur sei eine ganz besondere Möglichkeit für den wissenschaftlichen Nachwuchs, sich auf einer Professur zu beweisen. Es reduziere die Unsicherheit, die mit einer akademischen Karriere verbunden ist, so Prof. Guntermann.

Der Unterschied zwischen einer Juniorprofessur und einer ordentlichen Professur liege unter anderem darin, dass man als Juniorprofessorin eine geringere Lehrverpflichtung, aber auch ein kleineres Team habe.

 

 

WAS UNTERNEHMENSRECHT UND DIGITALISIERUNG VERBINDET

Zwischen dem Unternehmensrecht und der Digitalisierung existieren zahlreiche Schnittstellen, so Guntermann. Im Unternehmensrecht gebe es beispielsweise die Möglichkeit, Unternehmen online zu gründen, Versammlungen virtuell abzuhalten oder Zusammenschlüsse, die sich ausschließlich auf der Blockchain befinden, unternehmensrechtlich zu erfassen.

In der Zukunft werden sich noch viele weitere Fragen im Hinblick auf die Digitalisierung stellen – beispielsweise, ob der Vorstand bei seinen unternehmerischen Entscheidungen auch künstliche Intelligenz befragen muss, um auf der Basis einer angemessenen Informationsgrundlage zu handeln.

„Im Ergebnis bleibt es immer spannend“, führt Guntermann fort.

JURA STUDIEREN ALS ERSTAKADEMIKERIN

Prof. Guntermann ist die Erste, die in ihrer Familie studiert hat und damit sogenannte Erstakademikerin. Dies hatte gewisse Auswirkungen auf ihre Entwicklung und ihre Laufbahn, obgleich sie – wie sie betont – immer uneingeschränkten Rückhalt aus ihrem Elternhaus erhalten habe.

Immer wieder habe es Fragen rund um das Studium gegeben, die ihr im Elternhaus nicht beantwortet werden konnten, weshalb es recht frühzeitig notwendig für sie war, sich andere Ansprechpartner zu suchen.

Als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl bewarb sie sich daher bereits im 2. Semester ihres Studiums, was sich schnell als richtige Entscheidung entpuppt habe: „Dabei habe ich so etwas wie eine akademische Zweitfamilie gefunden, die mir dann in akademischen Fragen rund um das Studium mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte“.

Aufgrund dieser Erfahrung in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn empfindet es Prof. Guntermann als äußerst gewinnbringend, im akademischen Umfeld an einem Lehrstuhl zu arbeiten.

Als Erste in der Familie zu studieren habe auch den Vorteil, sich frei von jeglichen Einflüssen entwickeln zu können, ohne dass darauf groß Einfluss genommen wird, so Prof. Guntermann.

Das Schöne am Jurastudium an sich sei im Grunde auch, dass jede:r die gleichen Möglichkeiten habe, unabhängig davon, wo man herkomme, welche finanziellen Möglichkeiten man habe – das Studium sei durchlässig. „Jeder kann seine Träume – durch ein bisschen Einsatz natürlich – verwirklichen und dahin kommen, wo man am Ende stehen möchte“, so Prof. Guntermann.

 


5 MINUTEN MIT

In der Videoreihe: "5 Minuten mit" stellen wir unsere Professor*innen vor. Was für einen Lehrstuhl haben sie inne und an welchen Schwerpunkten arbeiten Sie? Uns interessiert jedoch genauso sehr, was unsere Professor*innen für Menschen sind. Was steckt hinter dem Lehrstuhl? Was fasziniert sie an der Hochschule und an Hamburg besonders? All das und noch viel mehr beantworten wir in "5 Minuten mit". Hier geht's zu allen Folgen:

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WAS LERNT MAN IN EINER GROßKANZLEI?

Mit Blick auf ihre vormalige Tätigkeit in einer Großkanzlei, habe Guntermann unter anderem gelernt, wie wichtig adressatenbezogene Kommunikation sei. Wie müssen bestimmte Zuhörergruppen gedanklich abgeholt werden, damit sie daraus das meiste für sich ziehen können? Insbesondere bei der Gestaltung von Präsentationen spiele eine große Rolle, wie diese aufbereitet sein müssen, damit die Zuhörergruppe – also Mandant:innen, Studierende oder das Publikum bei Fachvorträgen – abgeholt wird.

Daneben lerne man in einer Großkanzlei, strukturierter zu arbeiten, Prioritären zu setzen und einfach die wenige Zeit, die man am Tag habe, ideal zu nutzen. Dies seien auch wichtige Skills, die den Studierenden weitervermittelt werden können – für das Arbeitsleben, aber auch für juristische Klausuren, in denen man die Zeit, die man hat, einteilen, Schwerpunkte setzen und die Klausur so gestalten sollte, dass Korrektor:innen die Klausur idealerweise gern lesen.

KONTAKT MIT STUDIERENDEN

Als Juniorprofessorin schätze Prof. Guntermann am meisten den Kontakt zu den Studierenden, die sie immer wieder daran erinnern, dass man neugierig bleiben sollte, dass man konventionelle Antworten auf herkömmliche Fragen auch einmal hinterfragen darf und auch mal unkonventionelle Gedanken verfolgen sollte, weil daraus etwas Kreatives und Neues entstehen kann: „Das inspiriert mich total“.

Zum Schluss betont Guntermann, wie sehr sie den Austausch mit den Studierenden schätze: „Ich hoffe, dass das etwas Gegenseitiges ist, also das wir beide aus der Vorlesung rausgehen und mit etwas Neuem unserer Wege gehen.“

 

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