Das ist: Henrike – Praktikantin beim Landgericht in Hamburg

Jurastudent:innen der Bucerius Law School absolvieren zwei Praktika um Einblicke in die Rechtspraxis zu erhalten. Hier berichten sie darüber.

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Warum wolltest Du ausgerechnet zum Landgericht Hamburg?

Zum Gericht wollte ich, da ich durch mein Praktikum vor dem Studium bei einer Strafverteidigerin schon den Alltag im Gericht kennlernen durfte und diesen sehr interessant fand. Ich fand es schön, die Menschen hinter den Fällen in den Verhandlungen zu sehen, anders als in einer Kanzlei, wo man nur die Akten sieht.

Da ich Zivilrecht im Studium am spannendsten fand, habe ich mich für das Zivilgericht entschieden. Für das Landgericht anstatt des Amtsgerichts habe ich mich entschieden, da ich komplexere Fälle mit höheren Streitwerten sehen wollte.

Was hat Dir während Deines Praktikums besonders gefallen?

Besonders gefallen hat mir, die verschiedenen Menschen mitzuerleben. Für manche war es keine große Sache, vor Gericht zu sein, andere waren sehr emotional und haben sich beispielsweise gegenseitig angeschrien. Außerdem war es toll mitzuverfolgen, wie die Richter:innen die Fälle vorbereitet haben und zu ihren Entscheidungen gekommen sind.

So konnte man auch genauer darüber nachdenken, wie man selbst einen Fall entscheiden würde. Zudem hat mir die Atmosphäre im Gericht sehr gefallen. Beide Richterinnen, die ich während meines Praktikums begleiten, durfte waren super nett, haben mir einen umfassenden Einblick gewährt und alle Fragen, die ich hatte, ausführlich beantwortet.

 

 

Was war die größte Herausforderung, mit der Du lernen musstest, umzugehen?

Das Praktikum hat sehr viel Spaß gemacht und es gab keine großen Herausforderungen. Die Akten waren teilweise sehr umfangreich, aber man konnte alle in seinem eigenen Tempo durchlesen und hatte hierfür ausreichend Zeit.

Die Akten vor den Verhandlungen gründlich durchzulesen, kann ich nur empfehlen, da dies sehr geholfen hat, die Fälle zu verstehen. Sonst wäre es vielleicht schwieriger bzw. weniger spannend gewesen, den Verhandlungen zu folgen.

Inwiefern hat Dich das Praktikum in Deinem Berufswunsch beeinflusst?

Ich kann mir gut vorstellen, später in der Justiz zu arbeiten. Man kann sich seine Aufgaben in einem bestimmten Rahmen selbst einteilen. Als Richter:in muss man seine Aufgaben zwar bis zum nächsten Verhandlungstag fertig haben, wann man sie genau bearbeitet, ist jedoch einem selbst überlassen.

Dadurch, dass die Arbeit selbstbestimmter war, erschien sie mir etwas entspannter als z.B. in einer Großkanzlei, wo man häufig hört, dass die Anwälte unter Druck stehen. Auch die Themenbereiche Handels- und Transportrecht haben mir sehr gefallen, da sie sehr anschaulich sind und ich kann mir vorstellen, mich später mit ähnlichen Themengebieten zu beschäftigen.

Was würdest Du Studienanfänger:innen bei der Praktikumswahl raten?

Ich würde Studienanfänger:innen raten, viele verschiedene Praktika zu machen und nicht nur in die Großkanzleien zu gehen. Ich habe das Gefühl, dass alles im Studium immer sehr auf Großkanzleien ausgerichtet ist.

Dabei ist es meiner Meinung nach wichtig, das Recht aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen. Außerdem sollte man keine Angst davor haben, in ein Rechtsgebiet zu gehen, welches man noch nicht im Studium hatte.

Ich hatte vor meinem Praktikum noch kein Handelsrecht oder Zivilprozessrecht und bin trotzdem gut mitgekommen und habe somit viel im Voraus von diesen Rechtsgebieten mitgenommen, woran ich später in den Vorlesungen gut anknüpfen konnte.

 

Henrike, vielen Dank für das Interview.

 

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