Lesung und Gespräch zu jungem jüdischen Leben in Deutschland

Autorin Andrea von Treuenfeld liest im Studium generale Passagen aus ihrem Buch und spricht mit Eliana Korn über jüdisches Leben im Deutschland von heute.

Jurastudium |

Am 18. Oktober war die Autorin und freie Journalistin Andrea von Treuenfeld zu Gast im Studium generale der Bucerius Law School. Sie las aus ihrem Buch „Jüdisch jetzt! Junge Jüdinnen und Juden über ihr Leben in Deutschland“ und sprach mit Eliana Korn, Studentin der Bucerius Law School, Jg. 2019, über ihre Gespräche mit den jungen Menschen und deren Erfahrungen.

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Verband Jüdischer Studierender Nord (VJS Nord) und in Verbindung mit dem hochschuleigenen Projekt Diversity matters! durchgeführt.

Mit Blick auf die aktuelle Situation im Nahen Osten wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung und das Thematisieren von Antisemitismus in unserer Gesellschaft ist.

 

Werdegänge

Von Treuenfeld studierte Germanistik und Publizistik in Münster. Sie schrieb als Journalistin unter anderem für die Welt am Sonntag und die WirtschaftsWoche und ist Autorin mehrerer Bücher.

Eliana Korn, selbst Jüdin, studiert seit 2019 an der Bucerius Law School. Sie ist außerdem im VJS Nord aktiv und ist Hilfswissenschaftlerin am Lehrstuhl Privatrecht I von Professorin Dr. Anne Röthel.

 

Jüdisches Leben in Deutschland

In ihrem neuesten Buch, erschienen im April 2023, interviewte von Treuenfeld junge Jüdinnen und Juden zu ihrem Leben in Deutschland. Sie versuchte, die Themen Antisemitismus, Schoah und Nah-Ost-Konflikt bei diesen Gesprächen nicht anzuschneiden. Dies bezeichnete sie im Rückblick als unrealistisch, denn ihre Gesprächspartner:innen kamen von selbst darauf zu sprechen. Die Autorin führte unter anderem Gespräche mit dem Musiker Michael Barenboim, dem Politiker Dr. Sergey Lagodinsky, aber auch mit der Schriftstellerin Lena Gorelik und der Rabbinatstudentin Helene Shani Braun. Unter anderem interviewte sie Jonathan Kalmanovich, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Ben Salomo. Kalmanovich wurde als Rapper und Musikproduzent bekannt. 2018 kündigte er seinen Rückzug aus der Rap-Szene an, um damit ein Zeichen gegen den Antisemitismus innerhalb der Szene setzen.

Andrea von Treuenfeld skizziert in ihrem Buch eine multikulturell geprägte Generation, die eine ganz eigene selbstverständliche Diversität verkörpert.

 

Unkenntnis über das Judentum

Von Treuenfeld und Korn konstatierten eine unglaubliche Unkenntnis über jüdisches Leben in der deutschen Gesellschaft. Viele seien zu eingeschüchtert, um das Wort „Jude oder Jüdin“ überhaupt in den Mund zu nehmen. Das liege auch an der immer noch unzureichenden Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Schoah werde im Schulunterricht nur durchgearbeitet, nicht aber aufgearbeitet.

 

Jüdische Identitäten

Laut der Autorin setze sich jüdisches Leben aus vielen Identitäten zusammen. Prägend sei für viele aber der Umgang mit Antisemitismus und dem Anderssein. Jüdinnen und Juden werden im Schulunterricht schon als Kinder zu Experten:innen der jüdischen Religion und Kultur erklärt, ganz nach dem Motto: „Erzähl doch mal!“. Ob zehnjährige Schulkinder sich dafür bereit fühlen, werde selten bedacht. Einige schaffen sich ihre Identität daher als eine Art „safe space“.

Im gut gefüllten Heinz Nixdorf-Hörsaal hatte das Publikum noch viele Fragen an Andrea von Treuenfeld und Eliana Korn. Auch im Anschluss wurde bei Brezeln und Wein noch rege weiter diskutiert.

 

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ZSP

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