Bucerius-Alumnae in der Wissenschaft

Absolventinnen der Hochschule dienen als Vorbilder für weibliche Wissenschaftskarrieren

Forschung & Fakultät |

Frühjahr 2020: Die Corona-Pandemie legt die Welt lahm und sorgt für eine nie zuvor dagewesene Herausforderung. Die Situation ruft politische Entscheidungen hervor, die die Frage aufwerfen, wie weit Grundrechteinschränkungen in Deutschland gehen dürfen. Als Expertin äußert sich Juniorprofessorin Dr. Anika Klafki unter anderem im Interview mit der Tagesschau zur Rechtsgrundlage. Im Herbst folgte ihre Beurteilung des neuen Infektionsschutzgesetzes in den Medien.

Januar 2021: Die US-Wahl hat einen klaren Sieger hervorgebracht, doch der noch amtierende Präsident Donald Trump weigert sich seine Niederlage anzuerkennen. Was folgt ist der Sturm auf das Kapitol und der Ruf nach einem Amtsenthebungsverfahren. Universitätsprofessorin Dr. Paulina Starski, die nur wenige Monate zuvor die juristischen Folgen der US-Wahl für die Tagesschau analysierte, tritt erneut als Expertin im öffentlich-rechlichen Sender auf und erläutert die Erfolgsaussichten kurz vor dem Machtwechsel.

Paulina Starski (Jahrgang 2001) und Anika Klafki (Jahrgang 2005) sind Alumnae der Bucerius Law School, die vor kurzem auf Lehrstühle im deutschsprachigen Raum berufen wurden. Sie sind hervorragende Beispiele dafür, welche exzellenten Nachwuchwissenschaftler*innen die Bucerius Law School hervorbringt. Und sie sind Vorreiterinnen eines weiteren Trends: Die Zahl der weiblichen Wissenschaftlerinnen und Professorinnen erhöht sich immer weiter.

Vom Studium zur Professur

Sowohl Starski als auch Klafki haben nach ihrer juristischen Grundausbildung als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und später wissenschaftliche Assistentinnen an den Lehrstühlen der Hochschule zielstrebig ihre Forschungskarrieren verfolgt. Paulina Starski ist inzwischen als Universitätsprofessorin für Öffentliches Recht und Global Governance an der Universität Graz in Österreich tätig sowie als Lehrstuhlvertreterin am Institut für Öffentliches Recht - Europa- und Völkerrecht an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Anika Klafki bekleidet die Juniorprofessur (Tenure Track) für Öffentliches Recht an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und ist durch ihren Forschungsschwerpunkt zum rechtlichen Umgang mit Pandemien eine gefragte Interviewpartnerin.

„Dass mit Paulina Starski und Anika Klafki gleich zwei Alumnae so erfolgreich ihren Weg in der Wissenschaft bestreiten und Anerkennung in den Medien finden, erfreut mich sehr“, so Professorin Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki, Präsidentin der Bucerius Law School. „Sie setzen damit nicht nur ein Zeichen für die Qualität der Ausbildung an unserer Institution sondern auch, und das ist mir persönlich sehr wichtig, für eine weiblichere Wissenschaft. Sie nehmen eine Vorbildfunktion ein und ebnen die Wege für die, die noch kommen werden.“

Auch Gabriele Buchholtz (Jahrgang 2006) und jüngst Friederike Malorny (Jahrgang 2008) sind Bucerius-Absolventinnen mit erfolgreichen Karrieren als Nachwuchswissenschaftlerinnen. Beide wurden an der Bucerius Law School promoviert und sind in Lehre und Forschung aktiv. Während Gabriele Buchholtz seit wenigen Monaten die Juniorprofessur (Tenure Track) „Das Recht der sozialen Sicherung mit Schwerpunkten in Digitalisierung und Migration“ an der Universität Hamburg bekleidet, erhielt Friederike Malorny, Habilitandin bei Professor Dr. Matthias Jacobs, kürzlich einen Ruf als Juniorprofessorin mit Tenure Track an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, um sich zukünftig dem Bürgerlichen Recht und Arbeitsrecht zu widmen.

Vorbild für weiblichere Wissenschaft

Zum Thema Frauen in der Wissenschaft äußert sich Paulina Starski: „Die wissenschaftliche Karriere ist, unverblümt ausgedrückt, sehr hart und ein großes Privileg für die, die es schaffen. Sie verlangt viel Ausdauer und Kraft, die Unsicherheiten hinsichtlich des weiteren Werdeganges und dem möglichen ‚Sprung in die Wissenschaft‘ auszuhalten. Oftmals fällt bei uns Frauen die Familiengründung in die Habilitationsphase und fordert ein präzises Zeitmanagement der ohnehin knappen Ressource. Zusammengefasst können diese Phasen auf viele Frauen abschreckend wirken“, so ihre persönlichen Erfahrungen zur Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen.

Welchen starken Effekt es deshalb für eine weiblichere Wissenschaft hat, wenn eine Frau vor Studierenden steht und auch in den zu untersuchenden juristischen Fällen die Geschlechtergerechtigkeit gelebt wird, erlebt Paulina Starski täglich in ihren Lehrveranstaltungen. „Die Evaluationen zeigen, dass ich als nahbare Professorin und Frau mit Familie, die ihren Beruf mit Leidenschaft nachgeht, einen großen Einfluss auf Studentinnen habe. Nicht selten bekomme ich Kommentare zu lesen, die besagen, dass zukünftige Absolventinnen damit ermutigt werden, den Schritt in die Wissenschaft zu wagen.“

Autor*in

Lena Johannes, Arne Lemke

Hamburg