Die NPO Law Clinic ist mit dem Innovationspreis 2026 des Verbands der Privaten Hochschulen e.V. in der Kategorie Lehre, Didaktik & Student Experience ausgezeichnet worden. Prämiert wurde das Projekt "Studium pro bono publico - Studierende informieren die Zivilgesellschaft", bei dem sich Studierende der Bucerius Law School und der Leuphana Universität Lüneburg engagieren. Es handelt sich dabei um eine Kooperation mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE).
Im Interview erzählen Dr. Tim Maciejewski, Projektleiter der NPO Law Clinic und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Steuerrecht, sowie Sofie Florentine Tillmann und Julie Kerzel, Studentinnen des Jahrgangs 2024, von dem Projekt.
Tim, ihr habt mit der NPO Law Clinic den ersten Platz gewonnen und euch gegen zwei KI-Projekte durchgesetzt! Was hat die Jury an eurem Projekt überzeugt?
Tim: Das ganze Team der NPO Law Clinic freut sich sehr über diese Anerkennung! Wir hatten sehr spannende Mitbewerber, die innovative Technologien in der Lehre eingesetzt haben. Unser Projekt ist auf andere Weise innovativ: Es geht darum, dass Studierende rechtliche Informationen so aufbereiten, dass sie verständlich und praxisnah sind. Veröffentlicht werden diese Informationen auf der Website der DSEE und stehen so der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Arbeit der Studierenden wirkt also weit über unsere Hochschule hinaus!
An wen richten sich die Rechtstipps?
Tim: Die Rechtstipps sind entstanden, weil rechtliche Fragen für gemeinnützige Organisationen in Deutschland ein wesentliches Hindernis dafür sind, dass Menschen sich dort ehrenamtlich engagieren. Die Themen sind schnell komplex, viele fühlen sich überfordert und werden von einem Ehrenamt abgeschreckt. Um dem entgegenzuwirken, hat die DSEE die Rechtstipps entwickelt. Sie informieren vor allem über grundlegende und aktuelle Fragen aus dem Vereins- und Gemeinnützigkeitsrecht.
Was hat die NPO Law Clinic damit zu tun?
Tim: Die DSEE und die NPO Law Clinic arbeiten seit Jahren in der ehrenamtlichen Rechtsberatung zusammen. Die DSEE vermittelt Fragen gemeinnütziger Organisationen an uns und wir beraten sie mit ehrenamtlich tätigen Rechtsanwälten, mit Studierenden der Bucerius Law School oder der Leuphana Universität in Lüneburg. Um die Studierenden darauf vorzubereiten, gibt es Vorlesungen im Recht der Non-Profit-Organisationen. Mittlerweile unterstützen wir nun auch bei den Rechtstipps.
Wie läuft es ab, wenn ein Rechtstipp erstellt wird?
Tim: Wir haben eine Liste von Themen, von denen die Studierenden sich eines aussuchen und dazu im Rahmen eines Seminars eine Prüfungsleistung erstellen. Dabei ist es Teil der Aufgabenstellung, das Thema möglichst verständlich darzustellen, sodass auch ein juristischer Laie den Ausführungen folgen kann. Die studentische Arbeit ist dann die Basis für einen Rechtstipp, der im Anschluss ausgearbeitet wird. Meine Kollegin Johanna Frenz und ich tragen dafür die inhaltliche Verantwortung. Denn was auf der DSEE-Website steht, muss natürlich juristisch korrekt sein.
Julie und Sofie, ihr seid bei der NPO Law Clinic aktiv. Was war eure die Motivation, euch dort zu engagieren?
Julie: In den ersten Wochen meines Studiums wurden verschiedene Projekte vorgestellt, u.a. die NPO Law Clinic. Mir hat der Gedanke gefallen, ehrenamtlich anderen Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen ehrenamtlichen Projekte zu verwirklichen. Das Interesse an den Rechtstipps ist besonders durch die Schriftsatzkurse gewachsen. Denn im Studium lernt man, auf eine bestimmte Art zu schreiben, die komplex ist und die ehrlicherweise kaum jemand versteht. Und am Ende muss man das wieder ablegen – das ist mühsam.
Außerdem bekommt man über die Law Clinic-Arbeit gute Einblicke in die anwaltliche Arbeit mit echten Mandanten, die Möglichkeit hat man im Studium sonst gar nicht.
Und wie war es bei dir?
Sofie: Ich war auch beim Infotreffen dabei und habe danach alle Angebote mitgenommen, vom Schriftsatzkurs bis hin zu einem Workshop zu guter Satzungsgestaltung. Im restlichen Studium liest man sich meist allein in sehr spezifische Themen ein und versucht, die Probleme für sich (und die Klausur) zu verstehen. Das ist aber häufig weder persönlich ein nachhaltiger Wissensgewinn, noch kann man andere daran teilhaben lassen. Der Rechtstipp dagegen wird auf der DSEE-Website veröffentlicht. Das ist ein sehr cooles Format, um Ehrenamtlichen einen guten Zugang zu rechtlichen Fragen zu ermöglichen. So können sie sich niedrigschwellig und rechtlich fundiert eine Meinung bilden, ohne einen teuren Anwalt beauftragen zu müssen.
Sind das die didaktischen Ziele, die ihr euch in der Lehre gesetzt habt?
Tim: Ja, das sind genau die Ziele, die wir als Hochschule erreichen wollen. Die Arbeit der Law Clinics schafft durch die 1:1-Beratung einen besseren Zugang zum Recht, auch bekannt unter dem Begriff „Access to Justice“. Die Rechtstipps ergänzen die individuelle Beratung um verlässliche und verständliche Informationen. Wir helfen mit unserem Sachverstand Personen in rechtlichen Situationen, in denen sie sonst keine Hilfe hätten. Das ist eine praxisnahe Ausbildung, bei der die Arbeit mit Menschen im Vordergrund steht. Unsere Studierenden lernen insbesondere, ihr Wissen verständlich zu vermitteln. Anderen Menschen rechtliche Zusammenhänge möglichst klar und einfach zu erklären ist eine wichtige Kompetenz, egal welchen juristischen Beruf sie später wählen werden.
Wie war eure Erfahrung, einen Rechtstipp zu erstellen?
Julie: Bisher habe ich eine Fragestellung bearbeitet, das Thema war der Ausschluss eines Vereinsmitglieds. Ich habe überlegt: Was würde mich interessieren, wenn ich vor einer Situation stehe, in der ein Mitvereinsmitglied plötzlich für die andere Mitglieder nicht mehr tragbar wird? Das habe ich recherchiert und es anschließend verständlich zusammengeschrieben. Was gar nicht so einfach war: Ich habe die Sätze mehrfach umgestellt, weil ich automatisch im Gutachtenstil geschrieben habe. Insgesamt habe ich es mehrmals umformuliert, bis es wirklich verständlich war. Das war schon eine Herausforderung, ist aber sehr sinnvoll und lehrreich, denn die echte Welt funktioniert eben nicht im Gutachtenstil.
Welche Erfahrungen hast du gemacht, Sofie?
Sofie: Ein großer Unterschied zum Schreiben im Studium ist das Verzichten auf Quellenangaben. Bei den Rechtstipps muss man eindeutig formulieren und kann nicht hinter alles eine Fußnote setzen. Man muss für das einstehen, was man geschrieben hat. Abseits der Verständlichkeit war das eine Herausforderung, aber ich bin dadurch auch sicherer in meinen eigenen Fähigkeiten geworden. Außerdem war es ein schönes Gefühl, am Ende ein Ergebnis zu haben, hinter dem ich stehen kann, weil ich weiß, dass es für andere Menschen tatsächlich einen Mehrwert bietet und nützlich ist.
Was habt ihr rückblickend davon mitgenommen?
Sofie: Die Erfahrungen in der Beratung und beim Schreiben der Rechtstipps haben mir auch bei meinem eigenen Engagement geholfen. In Vereinen, in denen ich Mitglied bin, kann ich mich nun – wenn rechtliche Fragen aufkommen – auf meine handwerklichen Fähigkeiten verlassen und eine Lösung finden. Gleichzeitig steht man plötzlich auf der beratenden Seite und muss gut durch ein Mandantengespräch führen. Die Verbindung zwischen den Perspektiven macht einen in beiden Rollen besser.
Julie: Durch die ehrenamtliche Beratung in der NPO Law Clinic wurden wir auch schon mal ins kalte Wasser geworfen. Als wir nämlich kurzfristig eine persönliche Beratung übernommen haben. Wir haben uns den Sachverhalt, der uns normalerweise in der Klausur gegeben wird, selber erfragt und daraus dann die Infos gezogen, die wir brauchten. Das war total spannend, zu merken, okay, am Anfang traue ich mir das nicht zu und dann funktioniert es doch. Das Sicherheitsnetz der erfahrenen Anwälte hilft natürlich auch. Und dann geht man danach tatsächlich mit mehr Selbstbewusstsein raus.
Zum VPH-Innovationspreis
Der Verband der Privaten Hochschulen (VPH) lobt jedes Jahr einen Innovationspreis aus. Alle Mitglieder sind dazu eingeladen, ihre Projekte einzureichen. Der Preis wird in zwei Kategorien überreicht: In der Kategorie „Lehre, Didaktik & Student Experience“ sowie „Forschung, Innovation & Hochschulentwicklung“.