5 Minuten mit: Prof. Henrike von Scheliha

Henrike von Scheliha spricht im Video über Selbstbestimmung, Generationengerechtigkeit und das Forschungsnetzwerk ReproGerecht. #24

Forschung & Fakultät |

Prof. Henrike von Scheliha ist seit Juni 2024 Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht – insbesondere Familien- und Erbrecht – an der Bucerius Law School.

Im Gespräch bei “5 Minuten mit…” erzählt sie über die Selbstbestimmung am Anfang und Ende des Lebens, über einen Zukunftsrat für mehr Generationengerechtigkeit und wie das Netzwerk ReproGerecht zu mehr reproduktiver Gerechtigkeit beitragen möchte.

Frühe Entscheidung für Jura

Für von Scheliha war der Weg nach dem Abitur schnell klar: Jura sollte es sein. Sie suchte ein Fach, das intensiv mit Sprache arbeitet und gesellschaftlich relevant ist und in dem sich zugleich internationale Perspektiven und Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. „Da bin ich ziemlich schnell auf Jura gekommen, als Basis unserer Gesellschaft“, erklärt sie rückblickend. Über ein deutsch-französisches Studium in Köln und Paris fand sie den Einstieg und blieb, weil es passte.

 

Existenzielle Fragen im Familien- und Erbrecht

Heute forscht von Scheliha vor allem im Familien- und Erbrecht. Dort geht es um grundlegende Themen der Persönlichkeit und des eigenen Lebens. „Und das ist das, was mich an diesen beiden Bereichen so sehr fasziniert, dass es um diese Selbstbestimmung am Anfang des Lebens und am Ende des Lebens geht,“ erzählt von Scheliha.

Am Anfang des Lebens stehen Fragen der Elternschaft und der Kinderrechte im Zentrum: Vor der Geburt geht es um das Ob der Familiengründung und die Frage, wer rechtliches Elternteil ist. Nach der Geburt geht es um Fragen der schulischen Ausbildung des Kindes sowie seiner körperlichen Unversehrtheit, religiösen Erziehung oder demokratischen Mitbestimmung. Am Ende des Lebens rücken Themen wie die Testierfreiheit, Betreuung, Patientenverfügungen oder Organspenden in den Vordergrund. Das Recht müsse hier gleichermaßen Freiheit sichern und Orientierung geben, so von Scheliha.

 

Generationengerechtigkeit im Blick

Ein weiteres Forschungsinteresse der Juniorprofessorin ist die Generationengerechtigkeit. Mit Blick auf die demografische Entwicklung weist von Scheliha auf ein künftiges Ungleichgewicht hin: „2050 wird jede dritte Person über 65 Jahre alt sein. Kinder und Jugendliche werden zur Minderheit – mit erheblichen Folgen für die Gesellschaft.“

Sie sieht in einem Zukunftsrat ein mögliches Instrument, um die Perspektiven junger Menschen im politischen Prozess zu stärken. Während Politikerinnen und Politiker naturgemäß auf die Interessen ihrer Wählenden achten, würden junge Stimmen angesichts einer älter werdenden Bevölkerung immer leiser. „Das ist dramatisch für die Freiheiten der Kinder und Jugendlichen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt,“ so von Scheliha.


5 MINUTEN MIT…

In der Videoreihe: "5 Minuten mit…" stellen wir unsere Professor:innen vor. Was für einen Lehrstuhl haben sie inne und an welchen Schwerpunkten arbeiten Sie? Uns interessiert jedoch genauso sehr, was unsere Professor:innen für Menschen sind. Was steckt hinter dem Lehrstuhl? Was fasziniert sie an der Hochschule und an Hamburg besonders? All das und noch viel mehr beantworten wir in "5 Minuten mit…". Hier geht's zu allen Folgen:

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Reproduktionsgerechtigkeit als Forschungsfeld

2024 gründete von Scheliha gemeinsam mit zwei Kolleginnen das Forschungsnetzwerk „ReproGerecht“. Ziel sei es, interdisziplinär über reproduktive Rechte zu forschen und so den Diskurs zu reproduktiver Gerechtigkeit zu verbessern. Dabei gehe es um Fragen von Freiheit, Gleichheit und Teilhabe: von Verhütung und Schwangerschaftsabbruch über Eizellabgabe bis hin zu internationaler Leihmutterschaft.

„Es geht sowohl um Geschlechtergleichheit als auch um intersektionale Aspekte“, betont die Rechtswissenschaftlerin. Das Netzwerk verknüpft juristische, ethische, medizinische und sozialwissenschaftliche Perspektiven.

 

Abwechslung im akademischen Alltag

An ihrer Arbeit an der Hochschule schätzt von Scheliha am meisten die Vielfalt: „Kein Tag ist wie jeder andere, es gibt eine große Abwechslung. Da ist Lehre, da sind Publikationen, da sind Projekte, Kooperationen, da sind Gespräche. Da ist ganz, ganz viel und das liebe ich so.“

Besonders der Austausch mit Studierenden inspiriere sie täglich. „Ich kann etwas weitergeben, was mich selbst beschäftigt, und die Studierenden geben mir etwas zurück, womit ich mich dann beschäftigen kann. Und das ist ganz großartig,“ betont von Scheliha. Die größte Herausforderung bleibt für sie das Zeitmanagement: Viele Projekte und noch mehr Ideen bei nur 24 Stunden am Tag.

 

Hamburg als neue Heimat

Im Juni 2024 zog von Scheliha für die Professur nach Hamburg. Besonders das Wasser und die Lebendigkeit der Stadt haben es ihr angetan. Die Elbe, die Alster und die Nähe zum Meer sind für sie ebenso wertvoll wie die kulturelle Vielfalt und das zwischenmenschliche Miteinander. „Hamburg gibt einem auf ganz verschiedene Weise etwas,“ sagt von Scheliha.

Text

Inga Siek

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